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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 302

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Was der Baumeister Salman erzählt
Date
1931-07-01
Page
Seite 302 (sequence 12)
Language
German
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302 MENORAH Meeres. Bevor ich die Perlenschnur kaufte, habe ich mich erkundigt und bin der Sache von A bis Z auf den Grund gegangen. Auf dem Grunde des Meeres leben Fischchen — eigentlich keine Fischchen, sondern Würmer, die in Muscheln liegen, — das sind zwei Deckel, die man auf- und zuklappen kann wie ein Portemonnaie. Es gibt auch solche Portemonnaies, die wie Muscheln aussehen. Und diese Fischchen, diese Würmer heißen Austern — die Gojim halten diese Austern für einen Leckerbissen, sie könnten ihr halbes Leben dafür hergeben --" Die koscheren Hungerleider verziehen die Gesichter, wie sie von dem sonderbaren „gojischen" Leckerbissen hören, spucken aus und nehmen rasch einen Schluck Bier oder Branntwein, um den Ekel fortzuspülen. Auch Salman macht einen Schluck und erzählt weiter, wie diese Muscheln geöffnet werden und daß sich manchmal darin eine Perle findet: „Aber man muß Millionen von Muscheln öffnen, bis man eine Perle findet. Begreift ihr nun, daß Perlen teuer sein müssen? Doch wenn man sich bloß auf die Austern verlassen würde, so gäbe es sehr wenig Perlen auf der Welt*' — diese Worte bringt Salman ganz beiläufig und fährt dann in bedeutsamem, geradezu professoralem Ton fort: ,,Aber Perlen wachsen!" Überrascht wiederholt der Chor der Zuhörer, Alt und Jung: ,,Sie wachsen?" Sogar der Fuhrmann Itsche, ein Greis hoch in den Siebenzig, der sonst stumm zuhört, nur dann und wann den schmutziggrauen Bart kratzt und lautlos die zahnlosen Kiefer bewegt, verleiht diesmal seiner Verwunderung Worte: „Hi, hi — sie wachsen!" Gewichtig setzt Salman fort: „Sie wachsen — im Meer natürlich! Perlen sind eine Art Stein, der wächst. Begreift ihr Gottes Werke? Steine, die wachsen! Wie wachsen sie? Einer auf dem andern, Steinchen auf Steinchen, wie Johannisbeeren, wahrhaftig wie weiße Johannisbeeren, eine auf der anderen, tief auf dem Grund des Meeres. Und die Menschen müssen bis zum Meeresgrund hinabtauchen — das tun sie in ganz sonderbaren Anzügen, ich habe einmal ein Bild davon gesehen, doch das ist eine Geschichte für sich. Da der Mensch es sich in den Kopf gesetzt hat, Perlen zu besitzen, hat er einen Weg gefunden, um sie selbst vom Meeresgrund zu holen. Deshalb eben sind sie so teuer---" Der Zuhörerchor fällt ein: „Hörst du? Keine Kleinigkeit — vom Meeresgrund!" Doch Salman ist noch nicht zu Ende. Das wünschen seine Zuhörer

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