Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Dem Andenken des Hugo Zuckermann
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 283 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HUGO ZUCKERMANN 283 DEM ANDENKEN DES HUGO Z UCKERMANN (15. Mai 1881 Iis 27. Dezemher 1914) Bald nach Weltkriegsbeginn ging ein Lied von Mund zu Mund, das beginnt: „Drüben am Wiesenrand Hocken zwei Dohlen — Kall' ich am Donauslrand? Sterb' ich in Polen"? Was liegt daran?! Eli' sie meine Seele holen, Kämpf' ich als Reilersmanu . . Dieses „Österreichische Reiterlied"' hat Hugo Z u e k c r m a n n zum Dichter. 1912 (kurz vor der bekannten Mobilmachung Österreichs gegen Serbien) entstanden und damals in einem MUilärblalt veröffentlicht, blieb es so wie sein Dichter unbeachtet, bis der große Krieg den Versen Flügel, dem, der sie geschrieben, den Tod gab. Ein poslhumer Gedichlband (bei R. Löwil, H)lö) ist heule halb oder vielleicht zu sieben Achtel -— vergessen. Dann und wann laueht bei Rezilationsabenden jenes Makkabäergedicht auf, das dieser Hugo Zuckenuann. ein blindgutes spielerisches Kind, schwer verwundet mitten im Höllenbrand einer galizischen Schlaelit als sein letztes niederschrieb, mit den erschütternden Worten: „Hure Künsle, euer Streben, teure festen Dascinspliitze, Eure 11 äuser, eure Sehätze Heischen wir und euer heben!" Von den Versen, die sonst nach diesem Dichlei blichen, sind die wenigen, die völlig schwerlos dieses herrlichen Menschenkindes Freude an hiebt und Ton wiedergeben, viel zu zart gewebt, um dem, der sie gedichtet, die sogenannte Unsterblichkeit zu verleihen. Die ausgezeichneten Übertragungen jüdischer Poesie, die Hugo Zuckermann gesehafYen hat, sind bis auf die Nachdichtung von Perev.' ..Die Nacht auf dem alten Markt" (bei Ii. Löwit, 1917) unbekannt geblieben. Was bleibt also für die Tage einer geräuschvollen Zeil als das Vergessen? Diese Zeilen haben jedoch keineswegs die Absieht, die übliche üble „Pietät für einen zu Unrecht vergessenen Dichter" zu wecken; sie wulten vielmehr an einen jüdischen Menschen, erinnern, der kaum 'M Jahre alt dahingehen mußte, dessen Tod allen, mit denen er jung war und die durch ihn jung wurden, ein Stück Jugend nahm. Hugo Zuckermaun, der aus Eger in Rohmen stammte, kam — dank der harmonischen Intuition, die sein ganzes Wesen erfüllte — aus einem seinem Volke fast ganz entfremdeten Milieu frühzeitig zum Judentum in der harmonischen Gestaltung, die sich dem jungen Menschen durch Herzl erschloß. Die wunderbare Harmonie, die ihn erfüllte, führte den eigentlich Well fremden in idlen Fragen des Leherns einen unbeirrt sicheren Weg. Lieh ihm das begeisterte Wort für begeisternde Rede. Schenkte ihm einen herrlich optimistischen Humor, einen gefürchtet schlagfertigen Wilz und doch die riiterliche Art des Kampfes mit dem politischen Gegner. Gab ihm anmutigste dichterische Form für die Stimmungen von Tagen und Stunden „ohne Zusammenhang*'. Machte ihm selbst seinen Advokalenheruf zum Quell freudigsten Erlebens. Verlieh ihm die Begeisterung für den Krieg, den diese rennblinde Seele — als ..Rachezug für KischeneW sah! Im Glück, das sein Fadeben ihm gab, ist er Ende 1914 gestorben und liegt auf dein Friedhof zu Eger begraben, den er so sehr geliebt bah Und seit diesen fast 17 Jahren fehlt Hugo Zik kermamu der wie das heben durch das L<'bcu ging, allen, die ihn kannten, wie uns unsere Jugend fehlt, die wir eines Tages verloren haben. Er war kein ,,Führer'", ging keine neuen Wege, ging nicht zwingend1 voraus. Aber ein Zauber (um den er selbst am wenigsten wußte) war um ihn, der jeden Weg leicht und froh machte. Denn Hugo Zuckermann, der beste Freund, der liebste, geliebteste Kamerad, er war L i e d u n d L i c h t aller Wege. So war auch seine Dichtung. Sie war nicht machtvoller Ruf, aber auch nicht gekonnte Form. Denn dieser grotte unbeholfene Mensch, um den. irgendwie stets tausend