Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Ein indischer Freiheitskämpfer und sein jüdischer Bevollmächtigter
- Date
- 1931-05-01
- Page
- 278 (sequence 1)
- Language
- German
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Ein indischer Freiheitskämpfer und sein jüdischer Bevollmächtigter Eine historische Reminiszenz Von Emanuel Ring elhlum Heute, da die indische Freiheitsbewegung und ihr Führer, der Mahatma Gan/dhi, im Vordergrund des Wellinteresses stehen, mag es angebracht sein, eines der interessantesten Kapitel aus der Geschichte Indiens in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wieder in Erinnerung zu rufen. Es ist die Zeil, da England durch seine entscheidenden Siege über die indischen Teilfürsten den Grundstock zu seiner Herrschaft über Indien legte. Von besonderem Interesse ist in diesem Zeitraum eine Episode, in der ein J u d e a u s H a m b u r g eine nicht unwichtige Rolle spielt. Ungefähr ebenso bekannt wie heule der Name Gandhi, war im achtzehnten Jahrhundert der Inder II a i d c r A l i. Seinem Namen begegnen wir in allen deutschen und anderssprachigen Zeitschriften des achtzehnten Jahrhunderts immer wieder. Wer war nun dieser Mann, der damals die ganze Welt in Atem hielt? Nun freilich — weder Philosoph noch Sozialreformer. Als Sohn des mohammedanisch-indischen Festungskommandanten von Bangalor im Jahre 1728 geboren, wurde er buhl der Held einer geradezu phantastischen Laufbahn. Seine ungeheuren militärischen Fähigkeiten, die ihn später zum Führer der indischen Polilik machen sollten, rückten ihn bald in den Vordergrund seines Heimatlandes, der Provinz Maisnr. deren militärischer Leiter er noch in jungen Jahren wurde. Damals zerfiel Indien in eine Reihe noch unabhängiger Fürstentümer und Duodezreiche. Die religiösen Streitigkeiten zwischen Mohammedanern und Hindus und die unaufhörlichen Kriege zwischen den einzelnen Zwergreichen waren denn auch die Hauplursache für das verhältnismäßig rasche Fortschreiten der europäischen, vorwiegend der englischen Herrschaft in Indien. Haider Ali's Politik unterschied sich ursprünglich wenig von der damals landläufigen; auch er führte Krieg mit den Naehbarslämmen, vorwiegend mit den Mahraten, die damals in Mittelindien einen ziemlich bedeutenden Staat bildeten. Seine glänzenden Siege über die Mahraten vergrößerten seinen militärischen Ruhm so. daß er im Jahre 1701, nicht mehr als 'M\ Jahre alt, den Thron seiner Heimat Maisur an sich reißen konnte und Alleinherrscher des Landes wurde, in dem sein Vater ein bescheidenes Fe st u n g sk o in in a n d o innegehabt hatte. Damit beginnt eine neue Epoche in seinem Leben. Er schreitet an die wirtschaftliche Konsolidierung seines Reiches, in dem bisher chaotische Zustände geherrscht haben. End die Befestigung der wirtschaftlichen Macht dies Landes läßt den unsteten, ohrgeizigen Haider Ali von neuen Eroberungen träumen. Neue Kriege beginnen, neue Siege lassen gewallige Konzeptionen entstehen. Haider Ali will ganz Indien unter seine uneingeschränkte Botmäßigkeit bringen und sucht für seinen Pinn Verbündete. Der kluge Asiale versteht es nun. die. Gegensätze zwischen den europaischen Staaten trefflich auszunutzen, die um die Vorherrschaft in Indien rivalisieren. War doch Indien der Hauptgrund der Feindschaft zwischen Frankreich und England. Frankreich hatte zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts seine berühmte Oslindisehc Compagnie begründet. Der französische Kaufmann sollte der Pionier für die militärische Eroberung des Landes werden. Die gleichen Bestrebungen der englischen Ostindischen Company bringen die Rivalität zwischen beiden Staaten in Indien zu offenem kriegeri-