Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Lord Mechett
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 167 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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LORD MELCHETT 167 bar scheinende Differenzen bestanden. Die Firma Brunner, Mond & Co. konnte mit Stolz auf ihre sozialen Einrichtungen verweisen, konnte auch mit Recht darauf aufmerksam machen, daß seit Generationen hei ihr weder ein Streik noch eine Aussperrung vorgekommen sei. Eine steigende Zahl von Arbeiterkleinaktionären sprach hier für die enge Verbundenheit zwischen Arbeiterschaft und Unternehmen. Im Geiste dieser Überlieferung versucht Mond jetzt eine A r b e i t s g e m e i nschaft zwischen den Industrie- und den Gewerkschaftsführern durchzusetzen. In ständigen Besprechungen soll versucht werden, alle Probleme zwischen den Kapitalisten und den Arbeitern auf friedlichem Wege zu klären. „Wir haben immer die besten Beziehungen zu den Führern der Gewcrkschaften^unterhalten, die für die verschiedenen Industriezweige unseres Interessengebietes zuständig sind'*, so sagt es Mond selbst. „Wir haben solche Beziehungen immer als nützlich empfunden, und es ist unsere feste Absicht, die wir den Führern der Gewerkschaften auch mitgeteilt haben, mit ihnen in Zukunft wie stets bisher in freundschaftlicher Offenherzigkeit zu verkehren und zu diskutieren." So voll Verständnis für den Gegenspieler in der Wirtschaft hatte sich bisher auch in England kaum ein Unternehmer gezeigt. In Zusammenkünften mit dem Gewerkschaftsführer Turner versucht Mond dieses Übereinkommen vorzubereiten. Die Berichte, die die M ond- T u r n e r - K o n f e r e n z herausgibt, enthalten neben beachtenswerten Vorschlägen über die Zusammenarbeit von Kapital und Arbeit auch Anregungen zur Herstellung einer englischen Wirtschaftsautarkie, entsprechen also in diesem Punkt durchaus den Gedanken, die Mond seit Jahren vertreten hat. In Anerkennung seines politischen und industriellen Wirkens wird Sir Alired Mond im Jahre 1928 zum Lo rd M e 1 c h e 11 o f Landford ernann t. So wenig gradlinig wie die politische Auffassung Melchctts. so wenig einheitlich ist auch sein V e r h ä 1 t n i s zu m J u d e n t u m. Ludwig Mond, der Vater, war Jude geblieben, ohne irgendwie religiös zu sein. Alfred Mond blieb auch dem Judentum treu, ohne sich irgend einer jüdischen Gemeinde anzuschließen. Seine Frau, deutscher Abstammung wie er, der Familie Götze entstammend, war christlich erzogen worden. Auch seine Kinder, sein einziger Sohn Henry, der sein Nachfolger wird, und seine drei Töchter läßt er zunächst von jüdischen Problemen unbeeinflußt aufwachsen. Wenn ihm auch sein Judentum niemals hinderlich gewesen war. so hatte er es, allem Religiösen fernstehend, niemals besonders betont. Erst im Kriege tritt eine Wendung seiner Auffassung ein. Von einem Extrem gelangt er zum andern.