Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 112 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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112 MENORA Li ter wohlberaten, bal aber der spanische König sein Land davor bewahrt und aller Orten sieht man jetzt den Segen dieser Weisheit. Lebt das alte Röniertum in der Corrida fort, der übrigens in absehbarer Zeit der Fnßballsport den Rang ablaufen dürfte, wie ja auch in Wien die Tierhetzen vor noch nicht allzu langer Zeit durch andere Volksunterhaltung abgelöst wurden, so tritt uns das mittelalterliche Rom fast leibhaftig entgegen in den Umzügen wahrend der Semana santa in Sevilla, in denen Tafeln getragen werden mit dem bekannten SPQR (Senatus populusque roinanus). Es scheint, daß dieses feierliche Einhertragen der Gottesmutter schon auf phönikische Zeiten zurückgeht. Die im Büßergewande, dem Sanbenilo, mit Ötfnungen nur für die Augen, und den hohen spitzen Mützen vermummten Gestallen, in der Hand die zu Roden gesenkte Kerze, erinnern aber lebhalt wieder an die Inquisition, die ganze Veranstaltung an die Judenverfolgungen, die so oft von ihr ihren Ausgang nahmen. Wie steht es nun heute mit dem Faktor, dessen Übereifer so oft zur Verfolgung der Juden geführt hat, mit dem Klerus? Spanien ist katholisch wie kein zweites Land. Der einfache Mann in Spanien kann sich gar nicht vorstellen, daß ein Mensch kein Katholik sein soll. Nichts ist bezeichnender als ein Gespräch mit einem Chueta. Die Ghuetas sind Nachkommen von Juden auf Mallorca, die vor Jahrhunderten gewaltsam getauft wurden. Noch heute werden sie von den urechten Altchristen verächtlich und feindselig behandelt, obwohl sie fast nichts mehr vom Judentum wissen noch halten. Als sich einer meiner Freunde einem Chueta als Jude zu erkennen gab, fragte der Mann ganz erstaunt: ,,Ja, gibt es denn Juden auch außerhalb Spaniens? Gibt es wirklich Juden, die keine Katholiken sind?" Und so herrscht der Klerus, der Beichtvater fast überall unumschränkt. In gewissen Provinzen zumal wäre noch heute ein Mann, der sein Kind nicht taufen ließe, einfach unmöglich. Aber Juden in Spanien, die mit den das spanische Verkehrs- und Wirtschaftsleben beherrschenden Jesuiten geschäftlich zu tun haben, versicherten mir, daß sie trotz ihres olfenen jüdischen Bekenntnisses mit den Patres auf bestem Fuße stehen, daß diese sogar im geschäftlichen Verkehr auf den Sabbath ihrer jüdischen Geschäftsfreunde Rücksicht nehmen. Die spanischen Geistlichen, mit denen ich in Berührung kam, machten auf mich einen durchaus friedfertigen, ich möchte sagen, gemütlichen Eindruck. In Zaragoza saß ich mit Universitätsprofessoren, darunter einem feuchtfröhlichen Pater, in fideler Tafelrunde beim Bier. In Madrid fand ich in dem Vizedirektor eines Museums, einem Geistlichen, einen kenntnisreichen Gelehrten,