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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Durch Spanien und Portugal
Date
1931-03-01
Page
Seite 110 (sequence 12)
Language
German
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110 MENORAH Wer keine Corrida, keinen Stierkampf gesehen hat, nicht sowohl die grausame Quälerei des dem Tode geweihten Tieres, als vielmehr und ganz besonders das Verhalten des Publikums, der versieht nicht den Spanier, der begreift nicht die Greuel der Inquisition, die Auto defes. Die Corrida und das Autodefe, der Spanier hat sie beide über See verbreitet, sie haben eine und dieselbe Ursache. Während die Corrida vielleicht nicht so bestimmt als ein Autodefe, eine religiöse Handlung, empfunden wird, galt das Autodefe im besonderen Sinne, die Verbrennung der Ketzer, ganz ausgesprochen als verdienstliches Werk. Gibt es doch für den Spanier kein schwereres Verbrechen, als das am Glauben. Und jedes Verbrechen nimmt er ernst, von ihm gilt, was Tacitus von einem nordischen Volksstamme sagt: ,,Sie lachen nicht über Laster." Der Franzose Henry Montherlant, selbst leidenschaftlicher Stierkämpfer, führt in seinem Roman ,,Les Bestiaires" (Die Tiermenschen/ den Stierkampf auf den Mithraskult zurück, den gefährlichen Konkurrenten des frühesten Christentums. Nach anderen stammt er aus maurischer Zeit. Er war anfangs ein Training für die Jagd. Ein solcher Zweikampf zwischen Ritter und Stier ist an der Treppe der Universität Salamanca dargestellt. Einige Päpste bekämpften die Corrida mit Bannbullen. Dem Einspruch des Königs und dem der Universität Salamanca wurde aber statigegeben und Clemens VIII. beschränkte sich darauf, geistlichen Personen das Auftreten (!) in der Arena zu verbieten. Doch war man stets gewohnt, hohe kirchliche Würdenträger bei den Stierkämpfen im Publikum zu sehen. Kein kirchliches Fest wurde ohne eine Corrida gefeiert, die zum Teil die Geistlichkeit bezahlte. Bis zum Jahre 1845 mußte in Salamanca, wer den Doktorgrad erhielt, eine Corrida von sechs Stieren zahlen. Ein Dichter (Zarzuela) singt: ,,E1 arte de los toros bajo del cielo", das heißt: die Kunst des Toreros stammt vom Himmel. Blasco Ibanez, der bekanntlich seine jüdische Herkunft nicht verleugnet, widmete ihr seinen Roman „Sangre y arena" (Blut und Arena). Wie oft hat sich auch sonst die spanische Kunst mit ihr beschäftigt! Und doch überraschte es uns, als im Escorial, in der Gruft der spanischen Könige und ihrer Verwandtschaft, der Führer uns Särge berühmter — Toreros zeigte. Haben doch auch Karl V. und Philipp IV. in der Arena gestanden. Das Benehmen der Zuschauer, diese rasende Begeisterung, aber

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