Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Professor Max Eisler : Zu seinem 50. Geburtstag
- Date
- 1931-03-01
- Page
- 98 (sequence 1)
- Language
- German
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UNSERE AUTOREN PROFESSOR MAX EISLER (Zu seinem 50. Gehurtatag) Bei Werken der bildenden Kunst ist es am schwersten, durch gedanklichen Ausdruck Erkenntnis zu vermitteln. Was Wunder, daß immer häufiger das Schlagwort zu Hilfe genommen wird, um diese Schwierigkeit scheinbar zu überbrücken. Der Fall, daß Kunstbelrachtung, historisch oder aktuell, wirklichen Erkenntniswert hat, ist heute mehr als selten. Daher kommt es, daß das melsle, was auf diesem Gebiete geleistet wird, den Eindruck macht, daß es müßig ist, während die echte Kunslbetrachlung in ihrem Endziel wahrhaft tälig, wirkend sein müßte. Zu den Wenigen, deren Arbeit auf diesem Gebiete Wirken ist, gehört Professor Max Eisler, der jetzt sein 50. Lebensjahr vollendet. Und es erfüllt uns, die wir in diesen Heften slels für die echte, Erkenntniswerle schaffende, in die Dauer wirkende Kunstbelrachtung eingetreten sind, mit besonderer Freude, dem Manne, dessen Arbeit unseren Bestrebungen Richtung und Weg weist, an dem Tage, wo er den Höhepunkt seines Lebens und Wirkens erreicht hat, Dank sagen zu können. Max Eisler wurde am 17. März 1881 in der alten mährischen Judengemeinde Boskowitz geboren, Dem traditionell-jüdischen Leben, das ihn in seiner Heimatstadt unigab, ist er bis heute treu geblieben. Aber ihm ist das Jüdische nicht bloße Form, sondern wirkliches Leben und als solches in stetein geistigschöpferischen Fluß. So mag es auch zu erklären sein, daß Eisler, der Traditionsjude, schon in früher Jugend für Kunst und Kunstbetrach Uing starke Neigung halte. An den Umiversilälen Wien, Lcyden und Utrecht holte er sich das wissenschaftliche Rüstzeug für kunslgeschichtliche Arbeit, Studienreisen in Belgien, Frankreich und England und langer Aufenthalt in Holland, wo der Umgang mit dem großen jüdischen Maler Josef Israels starken Einfluß übte, vermittelten dem Kunstwissenschaftler die sozusagen visuelle Erkenntnis des malerischen, bildnerischen und architektonischen Geistes. Die ersten Arbeiten Eislers galten der holländischen Kunst. Mil der „Geschichte eines holländischen Stadtbildes" habilitierte er sich im Jahre 1914 als Dozent für Kunstgeschichte. Fünf Jahre später wurde er außerordentlicher Professor und erhielt 1921 die Berufung ans Kunsthislorische Institut der Universität Wien als Leiter der Abteilungen für Österreich, Westeuropa und Städtebau. In Wien wirkt Professor Eisler bis heute. Seine Schriften über Jim Venneer und' über Rembrandl, sowie seine Publikationen über die Kunst des 19. Jahrhunderts (u. a. über Gustav Kliml und Anton Hanak) haben ihn weit über die Grenzen Österreichs bekannt gemacht, seine Arbeiten über den Städtebau, die zu diesem Problem ganz neue fruchtbare Ideen brachten, wurden in der ganzen Well bekannt. Seine „Wiener Atlanten" (der historische Alias des Wiener Stadtbildes und die Publikationen über das barocke Wien und das bürgerliche Wien) sind vorbildlich als Grundlage für einen neuen Aufbau der Kunsllopographie. der organische Zusammenhänge in Sladtkörper und Sladtraum bringt. Seit Jahren steht Professor Eisler in der Werkbundbewegung und widmet sich ganz besonders der Entwicklung der neuen Baukunst. Gegenwärtig arbeilet er an einer Geschichte der modernen Baukunst, deren erslcr Band „Die Baukunst in Wien 1900 bis 19.30" demnächst erscheinen wird. Außer den Vorlesungen an der Wiener Universität, zahlreichen Vorträgen im Ausland, einer umfangreichen publizistischen Tätigkeit und reger Beteiligung an allen Einrichtungen der Volksbildung ist das rastlose Wirken Eislers noch auf ein spezielles Ziel gerichtet, das seinem Herzen besonders nahesteht: Seit langem kämpft er für die Verwendung der modernen von Juden geschaffenen Kunstformen in den Bauten der jüdischen Gemeinden. Die abgebrauchten, längst zu Schablonen gewordenen angeblich „historischen" Formen jüdischer Baukniist sollen dlem weichen, was der (Fortsetzung siehe Seite 183.)