Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Roger Martin du Gard: Jean Barois ... [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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94 ME N ORAH tholizismus bis ins Lebensmark reicht, bildet der gewaltige Kampf zwischen dem Laientum und der kirchlichen Hierarchie in Frankreich, der dem Ausgange des 19. Jahrhunderts seinen. Stempel aufdrückte. Die wichtigsten Figuren dieser Periode, die Kämpfer der Dreyfus-AfTäre werden hier lebendig. Sie agieren und debattieren. Dein Kampf der Freidenker um die Laienschule, um die Freiheit des gesellschaftlichen Lebens von dem Gewissenszwang des Klerikalismus gibt das persönliche Schicksal des Helden den menschlichen Hintergrund. R—t. KARL FRIEDRICH BOR£E: DOR UND DER SEPTEMBER. Verlag Rülten & Loening, Frankfurt a. M. Ein Mann, den das Schicksal bisher nicht verwohnt hat, landet in der Nachkriegszeit in einer kleinen deutschen Universitätsstadt. Seine Fähigkeiten hätten ihn unter günstigeren äußeren Umständen vielleicht mehr erreichen lassen. So aber ist er froh, nach der Anspannung des wechselvollen Schicksals in die Stille eines Arbeitszimmers untertauchen zu dürfen und sich den selbstgeschaffenen Regeln des täglichen Lebens unterzuordnen. Dieser geordnete Alltag umgibt ihn gewissermaßen mit einer Isolierschicht gegen alles, was von außen an Wirrnissen und Problemen an. ihn heran könnte, und schafft auch eine innere Ruhe, wenngleich auch vielleicht nur mit der zeitlich begrenzten Wirkung des Narkotikums. Mit der Begegnung mit der Frau eines Freundes beginnen aber «lie Wellen des weiter pulsierenden Lebens an den Strand der mühselig geschaffenen Insel zu schlagen. Und dann kommt Dor! Medizinsludentin, ehrgeizig, wissensdurstig, zutraulich wTie ein Kind und doch stolz, voll frischer Jugend, überlegt und überlegen, und die künstlich aufgeworfenen Dämme geben nach, das Leben mit allen Freuden und Kümmernissen dor großen Liebe überschwemmt die Insel. Aber irgendwo gibt es in der Seele Dors etwas, das sie zurückdrängt, sich vorbehaltlos anzuschließen und zu erschließen, und da muß der Alternde erkennen, daß er auch hier verzichten muß. Wie Menschen und Dinge, die Stimmungen der Natur festgehalten sind, wie über all dem Geschehen ein feiner Duft liegt, der uns an besinnlichere Zeiten erinnert, das alles ist so erfreulich, daß man das Buch aus der Hand legt mit dem Gefühl, es gerne zu rechter Stunde wieder aufzuschlagen. F. c. ERNST HEMINGWAY: IN EINEM AN¬ DERN LAND. Ernst Rowohlt-Verlag, Berlin. Drei Kriegsjahre verbringt ein junger Amerikaner eingegliedert in den Organismus des italienischen Heeres an der Isonzo-Front. Die Jahreszeilen kommen und gehen. Siege werden erfochten, aber die Armee kommt nicht vorwärts. Eine Verwundung bringt ihn für einige Monate ins Hinterland, wo ein Liebesroman zur Erfüllung des ewigen Schicksals Mann-Weib wird. Zurückgekehrt an die Front, in die ungeheure Tragik der Niederlage und des Rückzuges wird das romantische Kriegserlebnis zur Ernüchterung. Mit der geliebten Frau sucht er Zuflucht in der neutralen Schweiz, wo der Tod der Gefährtin die Zwccklosigkeit dieses Erlebens zur lähmenden Erkenntnis werden läßt. Die Sprache des Buches entbehrt jeder Manieriertheit; in ihrer Knappheit und1 Natürlichkeit ist es so realistisch und sachlich, wie es dem einfachen Menschen und der Einfachheit seines Schicksals zukommt. Dadurch wird die Wucht der Tragik nur um so größer und die Verzweiflung vermenschlicht. H. OSKAR JELLINEK: DAS GANZE DORF WAR IN AUFRUHR. Paul Zsolnay-Verlag, Wien—Berlin. Seltsame Menschen sind es, die in den Getreidefeldern der mährischen Hanna ihr Schicksal erfüllen. Leiderfüllt und erdgebunden, dabei voll unbeugsamer Lebenslust, von kraftstrotzendem Tatendrang erfüllt. Dreimal wiederholt sich in den dramatisch gestalteten Novellen das Problem, wie der schwache, vom Schicksal spärlich bedachte Mann an der blutvollen Lebensgier der Frau, die