Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Dr. Max Freudenthal: Leipziger Messgäste ... [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 2)
- Language
- German
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BIBLIOGRAPHIE 93 zig erschienen sind. Diese Übersicht ist für Gemeinde- und Familiengeschichte außerordentlich wichtig. Es wird viele deutsche Gemeinden geben, die erst aus diesen Meßlisten von der Existenz ihrer Gemeindemitglieder im 17. und 18. Jahrhundert erfahren, und mancher Famiiienstainmbaum wird sich nach dem Freudenthalschen Werk ergänzen und berichtigen lassen. Dieses Buch sollte ein Ansporn sein, die Meßarchive anderer Städte auf ihre jüdischen Interessen hin durchzusehen, um so ein immer vollständigeres Bild von der jüdischen Wirtschaftsgeschichtedieser Zeit zu erlangen. Dr. Kurt Wilhelm. DER BRUDER SONKA UND DIE ALLGE¬ MEINE SACHE ODER DAS WORT GEGEN DIE ORDNUNG. Paul Zsolnay - Verlag, Wien 1930. Vor allem sei das Wichtigste dieses ganzen Gedichtbuchs hervorgehoben: unbedingte Ehrlichkeit. Das peinliche Gefühl, das die Mache auslöst, das Unbehagen, das Manier verursacht, mag sie artistisch weit höhere Kunstwerke begleiten, mangelt hier durchaus. Die Vagabundengedichte Theodor Kramers etwa, die literarisch sicherlich wertvoller sind, haben diesen Beigeschmack. Was man auch immer über Sonka sagen mag, diese Gedichte sind echt. Nun könnte man die Ehrlichkeit dieser Verse einem gewissen Dilettantismus zuschreiben, denn zur künstlerischen Lüge bedarf es höchsten Raffinements. Aber die Ehrlichkeit Sonkas ist keine dilettantische. Seine Zuchtlosigkeit, die Unbekümmertheit, mit der er schreibt, unbemüht, Anklänge an Wliilman oder an Heine zu verbergen, entstammt seinem unariistischen, anarchistischen Prinzip. Er ist im wesentlichen ein Dithyramhiker. Die troehäisehen heinesierenden Rhythmen oder die slawischen Volksweisen nachempfundenen Lieder widersprechen nur scheinbar. Der laute Aufruhr ist mehr seine Sache als die lyrische Verhaltenheit. Jude, Slowak und Landstreicher, dem Dreiklang lehlt das natürliche Moll nicht, das rebellische Dur aber ist vernehmlicher. Slowakischer Bauerntrolz, jüdischer Gerechtigkeitsfannüsmus und der anarchische Freiheitsrausch des Vagabunden vereinigen sich in Sonka. Die Einheil von Leben und Dichtung ist hier über allen Zweifel deutlich. E. SV. JEAN COCTEAU: LES EN FANTS TERRIB- LES. Paris 1929, Grassel, deutsch im Verlage Gustav Kiepenheuer, Berlin. Wie unwahrscheinlich es auch klingen mag: die „Schrecklichen Kinder", deren schauerliche Geschichte J. Cocteau in seinem originellen und talentstrolzenden Buch erzählt, sind nichts weiter als verspielte Kinder. Oder richtiger gesagt, jene jungen Menschen, deren Leben sich vor unseren Augen, grauenvoll und beängstigend, abrollt, sind eben deswegen so tragische Gestalten, daß sie nicht aus den Kinderschuhen körinen. An der wundervollsten Gabe der Kindheit, ihrer ursprünglichen Schöpferkraft, die sie befähigt, sich von der Wirklichkeit unabhängig ihre eigene Welt aufzubauen und sich jederzeit aus der Realität in sie zu flüchten, zerschellen Cocteaus Helden. Verblendung — wie in der großen antiken Tragödie — ist ihre tragische Schuld. Der Tod — ihre Sühne. Unschuldig-schuldig, wie alle tragischen Persönlichkeiten, gehen sie von der Welt, dem Konflikt der Wirklichkeit mit ihrer Wahnwelt erliegend. Der Eindruck ist — trotz vielen leeren Seilen — erschütternd'. Denn wenn es auch ein schon behandeltes Thema aufnimmt und viele literarische Motive verwebt, so ist doch dieses Werk die erste und eine höchst gelungene Gestaltung der Tragödie „des kindlichen Gemüts", die weder rührselig noch moralisierend ist, sondern den großen Mut hat, die Folgerichtigkeit dieses Schicksals anzuerkennen und damit zu bejahen. Daher, ungeachtet aller Schwächen — das Monumentale und Heroische dieses bemerkenswerten Romans. .4. 0. ROGER MARTIN DU GARD: JEAN BAROIS. Paul Zsolnay-Verlag, Wien, Berlin. Den Höhepunkt des Lebens des Jean Barois, dessen Verbundenheit mit dem Ka-