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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1931-01-01
Page
Seite 78 (sequence 16)
Language
German
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78 ME NORAH Anfrage an Lapin, und er antwortete ihnen mit einem zweideutigen Schmunzeln: „Offiziell haben wir noch keine Bestätigung von seiner Ankunft erhalten, aber es ist mehr als sicher, daß er kommen wird! Mag sein, daß er bald nach der Einbringung der Ernte eintrifft!" Wir erwarteten den Baron für Ende März oder anfangs April. Die Kolonie war voll Begeisterung. Es wurde fleißig und mit Liebe gearbeitet, und wir hofften, daß wir die sechs Millionen Juden aus dem Zarenlande ebenfalls nach Argentinien werden bringen können und . . . doch wozu jetzt davon sprechen, was wir damals dachten und hofften? — — Im Februar desselben Jahres erhielten wir Gäste aus Paris: den Arzt Dr. Kessel, den der Baron an Wechslers Stelle geschickt hatte. Er berichtete uns, daß der Baron bereits Vorbereitungen für die Reise nach Argentinien treffe. Am 4. März traf auch Sir Reynhold ein, der vom Baron den Auftrag hatte, eine Molkerei in Mauricio einzurichten. Auch er bestätigte, daß der Baron demnächst kommen werde. Nun handelte es sich nicht mehr um ein unbestimmtes Gerücht, sondern um eine Tatsache. Der Kalk stieg hoch im Preise. Die Frauen tünchten die Häuser innen und außen. Die Höfe wurden gereinigt. Die jungen Burschen kämmten ihre Pferde, putzten die Sporen an den Stiefeln und das Riemenzeug, damit sie glänzten. Sonntag, den 7. März 1896, in aller Frühe traten zwei ausländische Gäste ein: Dr. Sonnenfeld aus Paris und Feinberg aus Petersburg. Es entstand ein Getümmel, da der junge Kolonist Max Reichelsohn, ein bekannter Spaßvogel, den schlanken, eleganten Dr. Sonnenfeld als den Baron Hirsch ausgab; der Baron sei inkognito gekommen, behauptete er, damit ihn die Kolonisten nicht belästigten. . . . Im Laufe weniger Stunden waren alle Einwohner der Kolonie bei der Administration anwesend. Indessen erfuhren sie bald die Wahrheit. JCLIJC. Die T^iachricht vom ÄDeben des Baron J^laurice de Hirsch Das war Mittwoch, den 22. April 1896. Der Kutscher der Administration, Serwianow, hatte dieses fürchterliche Telegramm gebracht. Trauer, Verzweiflung und Umnachtung beherrschte uns. Wir fühlten uns, als wären wir vom höchsten Himmel in den tiefsten Abgrund gestürzt. All unsere Hoffnungen, alle Hirngespinste und Illusionen, die wir unserem rettenden Engel, unserem Vater, dem Baron, zu unter-

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