Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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66 MENORA II Die Türe tat sich auf, Casez erschien. Er war ein Mann von achtunggebietender Erscheinung und mochte damals etwa 40 Jahre alt gewTesen sein. Seine Lippen kräuselte ein diplomatisches, vielsagendes Lächeln. Das Abzeichen der französischen Ehrenlegion im Knopfloch machte seine Gestalt noch eindrucksvoller. Er verneigte sich vor der Menge, musterte sie einen Augenblick scharf und hatte sie in der Hand. Der dichte Menschenknäuel teilte sich und machte ihm und Brandes Platz. Er ging die Reihen einigemal auf und ab, überflog mit seinen Blicken die finstere, herabgekommene Masse, zuckte die Schultern, und tiefe Falten furchten seine hohe Stirn. Langsam, gemessenen Schritts, ging er auf den Wagen zu und setzte seinen Fuß auf das Trittbrett. Im selben Augenblick aber stürzte sich die Menge auf den Wagen: Unzählige Hände klammerten sich an die Speichen der Räder, und ein donnerndes Gebrumm hallte aus Hunderten von Kehlen: „Sie werden nicht fahren! Nein! Wir werden es nicht zulassen!" ,,Brot! Geben Sie uns Brot, wir hungern!" Die Luft erdröhnte. Ruhig, stolz, doch ein wenig bleich, stand er neben dem Wagen, umzingelt von der Menschenkette, die ihn wie umklammert hielt. Da es bekannt war, daß er Hebräisch konnte, begannen manche ihre armseligen Kenntnisse auszupacken. „Lechem!" riefen einige. Weiter schienen ihre Kenntnisse nicht gereicht zu haben. Casez hatte etwas darauf geantwortet, da er sich aber der sephardischen Aussprache bedient hatte, dürften ihn die Lärmenden nicht verstanden haben. Er sprach mit Brandes, und dieser bestieg den Wagen und rief: „Kolonisten, macht keinen Skandal! Der Direktor reist nicht ab: Die Delegierten mögen ins Büro kommen, und sie werden mit ihm sprechen können!'4 ..Nein!" kam es aus der Menge zurück. ,,Wir verlassen uns nicht auf die Delegierten!" ,,Der Direktor kann doch nicht mit jedem besonders sprechen!" „Wir werden auf der Stelle drei Kolonisten auswählen!" Es wurde nun eine provisorische Kommission gewählt, die mit dem Direktor die Unterhandlungen führen sollte. Sie bestand aus I. Lissin, dem alten Weinfeld und dem Schreiber dieser Zeilen. Knepler. ein schlanker Mann mit langen Armen, stieg auf den Wagen und rief unsere Namen aus. „Einverstanden!" antworteten die Leute. Wir wurden über die Köpfe hinweg getragen und standen nun vor dem Direktor.