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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Anna Tichos Palästinalandschaften
Date
1931-01-01
Page
Seite 34 (sequence 1)
Language
German
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34 MENORAH Anna Tichos Palästinalandschaften Seltsam genug: eine Frau von fraulichem Schicksal und fraulichem Gemüt ist es, die uns die bis nun zu echtesten Kunstwerke aus Palästina schenkte. Nicht Liebe zum Land, das ihr weder das Heilige, noch das Gelobte oder ersehnte war, nicht Idealismus oder Flucht vor Verfolgungen, oder selbst nur rein künstlerische Neugier brachte Frau Ticho nach Frez Israel. Ihrem Gatten folgend, kam sie hin, wie sie in jedes andere Land gegangen wäre, und wahrscheinlich hätte sie gar viele andere bei weitem vorgezogen. Da es ihre Heimat, Rahmen ihres Lebens geworden ist, trachtete sie sich darin hineinzufinden, mit der Entschlossenheit und Ganzheit rechtschaffener, tüchtiger Menschen, die, ohne Launen der Situation, in die das Schicksal sie stellt, voll zu genügen bestrebt sind. Und wie so oft in Vernunftehen die Liebe herrlich aufgeht, so erwuchs aus diesem rein sachlichen Verhältnis zur Umgebung eine Kunst, die intimste Vertrautheit, völliges Ineinanderaufgehen von Maler und Landschaft bekundet. Das Geheimnis d/ieses Gelingens heißt nicht nur Talent; es gibt andere talentierte und vielleicht auch talentvollere Künstler in Palästina. Was sich als schöpferischer Grund und ästhetischer Reiz bei Frau Ticho so glänzend bewährt, das ist die vollkommene Ehrlichkeit ihrer künstlerischen Einstellung. Ehrlichkeit in diesem etwas ungewohnten Sinne, daß sie ihrem Objekt ganz unvoreingenommen entgegentritt, ungetrübt auch von vorgefaßten Gefühlen und Wunschbildern, die so oft den Weg zur Erfassung der Wirklichkeit verrammen. Durch diese Ausgelöschtheit vor ihrem Gegenstand und die respektvolle Geduld, die dazu gehört, anderer Dinge Wesen in sich aufnehmen, wachsen und zu Worte kommen zu lassen, kurz durch diese so echt weibliche Produktivität aus gesteigerter Passivität ist Frau Ticho, die gewiß nie den Gedanken hegte, orientalische Kunst zu schaffen, doch ostasiatischen Landschaftern tdet verwandt. Frau Tichos schönste Bilder sind mit Bleistift auf gewöhnlichem Papier gezeichnet oder auf Holztäfelchen mit unansehnlich verschmelzenden Farben gemalt, und einer Technik, die einen merkwürdig spielerischen Eindruck macht. Nur wer seinen Gegenstand ganz und gar beherrscht oder richtiger, wer ihn ganz in sich hat, darf es wagen, so einfache Mittel zu gebrauchen, denn ihm wird alles zum Träger des innerlichen, überfliegenden Schatzes. Weil aber das Material so bescheiden ist und doch der aus ihm geformte Ausdruck so vollkommen auf den Inhalt paßt, so scheint es leicht oberflächlichem Blick, daß Fertigkeit hier am Werk war, wo doch die Treffsicherheit der Form durch langes inneres Reifen gewonnen wurde. Stein um Stein ist auf den. Stadtbildern nachgezeichnet, mit einer Exaktheit, aLs ob es eine überdetaillierte Orientierungskarte gälte, nichts als einige Höhenzüge und Erdwölbungen sind auf dem Blatt hingehaucht, das die Wüste Judäas darstellen soll, und etliche Grabplatten, aus dem Boden ragend, veranschaulichen den allen Friedhof von Jerusalem. Wenn aber das Häusergewühl sich zu einer Stadt verdichtet, die so ganz mit der Erde zusammengewachsen, so erdhaft in ihren Formen und Farben ist, daß sie nicht Menschenwerk und nicht Menschenschicksal verhaftet, ewig und erhaben zu sein scheint, wie die Erde aus der sie entstanden, wenn nicht Leere sich mit in den Wüstenblätterrii breitmacht, sondern Unendlich keil in ihnen liegt und die paar Gräber, die wie in den Boden einverleibt sind, die Eitelkeit der Dinge und die Macht des Lebens in sich bergen, dann ist das weder Sache der Gewandtheit, noch auch des Könnens — es ist Kunsl, im vollen, reinen Sinne, unkontrollierbare, nnanatysierbare Gnade. Von ihr erleuchtcl. geben Frau Tichos schlichte Werke, im bescheidenen Bestreben, die sie umgebende Landschaft festzuhalten, Zauber und Weiht' Palästinas wieder, des Landes der Bibel, wo sich in einfachem Geschehen Ewiggültiges ausprägt. Aurehe Gott)? eh.

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