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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Leonid Berman
Date
1931-01-01
Page
Seite 33 (sequence 2)
Language
German
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LEONI!) BERMAN h*jrum. Man atmet aui": ein Ausweg ist vorhanden. Ein kleines, längliches Bild. Die obere Hälfte dunkelblau; dick und lückenlos glatt mit Farbe bedeckt. Die untere sandfarben. Ein schwarzes Schiff stößt scharf in die dunkelblaue Fläche. Wagrechtes helles mit pedantischer Präzision gemaltes Tauwerk läßt Schwärze und Abwärtsbewegung der Schil'form noch tollkühner, winzige Menschlei n, die an den Seilen hängen, lassen ihre Größe noch übermächtiger erscheinen. In furchtbarer Fremdheit liegt das todkalk' Himmelsgewölbe über der Erdenwelt. Herausfordernd und resigniert den Urmächten gegenüber und übergew-altig den Menschen gegenüber steht idas Schiff, allen beiden gleich unverwandt. Eine dramatische Stimmung; trächtig von Fragen. Voll ziehender Wolken der Himmel. Farbig das Meer. Klein un'd' undeutlich die Schifflein, die es in weiter Ferne befahren. Hurtig trollen auf wellenüberflutetem Strande Menschen. Arbeiten an Dingen, die ihrer Hände Werk sind und dem Wassergewächs ähneln. Der Rhythmus der Wolken, der Wellen, der Menschenbewegungen — ist ein und derselbe und so zierlich wie man ihn sonst nur auf chinesischen Bildern sieht. Wasser, Himmel, Erde samt allem wiis sie füllt, bildet ein Ganzes. Emst ist der Grundton, dick blitzen schelmisch, hie und da, blaue und rote Punkte. Alles in allem — ein geeinter, belebter, ein weit zügiger Kosmos. Alle Bilder von Bennau führen ähnJicherweise an die Scheide zwischen Land und Meer, an jene Grenze, wo das Schwere, das Feste aufzuhören scheint und die geheimnisvolle Unendlichkeit des Veränderlichen beginnt, lockt und beunruhigt. Schiffe, festgefügt und der Bewegung zugedacht, wagen den Sprung von einem Element ins andere. Manchmal sind es arme leichtsinnige Schiffchen, deren Filigranarbeit sich gar erbärmlich auf den ungestalten Wogen ausnimmt; man ahnt: sie tänzeln ins Verderben. Manchmal wieder sind es — trotz drohenden Himmels —- verheißungsreiche Erlöser. Abenteuerlustige robuste Gesellen, allen Gefahren gewachsen, siegessicher — ein andermal. Himmel, Wasser, Strand und Schiffe sind dargestellt. Mit einer Ruhe und einer Sachlichkeit, die kaum überboten werden können. Man spürt es aber, daß hier trotz aller sorgfältigen Naturtreue der Einzelheiten und vollster Wahrscheinlichkeit der Gesamtansicht nicht um des Geschilderten willen geschildert wird. Befremdend und seltsam, leicht faßlich an der Oberfläche und Geheimes in der Tiefe bergend, so wie das Meer, das sie darstellen muten diese Werke an. Bis intensives Nachempfinden zu ihrem schöpferischen Kern gelangt. Körpergewordene Ichgeständnisse erfühlt man dann in ihnen, Gleichnisse innersten Erlebens. Verhüllt durch die gleißende Sprache von Seelandschaften und Marinen strömt aus den kühlen Bildern des Bermanschen Nordseezyklons urmenschliche Angst und Fluchtbereitschaft, urmenschliche Einsamkeit und wonnige Träume von Aufgelöstheit im All. Von ungeheurer Kraft des Erlebnisses zeugt es, wenn aus Empfindungen heraus Welten geschaffen werden. Ungemein stark muß auch das Naturempfinden sein, sollen N'aturbilder als Ausdrucksmittel gebraucht werden können und außerordentlich die Kultiviertheit des Erlebenden, wenn er Erlebtes nicht direkt kundgibt — exhibiert könne man fast sagen, sondern, die erste Person der Erzählung vermeidend, es restlos objektiviert als eigengesetzliches Ding aus sich herausstellt. Daß nun aber diese gewissermaßen symbolischen Marinen Bermans, eher Visionen als unmittelbaren Natureindriickcn entsprungen, uns schließlich dennoch der Natur nahe bringen, bildet einer der erstaunlichsten Reize seiner Kunst, um so berauschender, als er in diesem Zusammenhang ganz unverhofft erscheint. Nichts anderes ist es im Grunde ab das uralte und ewig neue Geheimnis des Dichters: obwohl ihm die Sprache zunächst nur gefügiges Mittel bedeutet, vermag einzig und allein nur er ihre Schätze zu heben und ihren Sinn zu mehren. Aureh'e Gottlieh

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