Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Leon Feuchtwanger: Erfolg ... [Rezension]
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 606 (sequence 1)
- Language
- German
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606 MENORAH LION FEUCHTWANGER: ERFOLG, DREI JAHRE GESCHICHTE EINER PROVINZ. Vorlag Gustav Kiepenheuer, Berlin. Kein historischer Roman, aber eine große Zeitsatire über den bayerischen Volksslamm mit der Liebe zur bayerischen Landschaft und ihrem eigenartigen Menschenschlag geschrieben. Das Justizverbrechen sin dem Museumsdircktor Marlin Krüger ist die Achse, um die auf der Drehbühne der Politik und Kunst die Bilder wechseln. Der leidenschaftliche Kampf für den Gedanken der reinen Gerechtigkeit führt zur Ablehnung der ethischen Forderungen und zu ihrer Ersetzung durch „Fairness/' Diese große farbenreiche Geschichte ist keine Historie, die Krall der dichterischen Darstellung saugt Feuchtwanger an die Zeit und ihre Menschen unlöslich fest. Eine jüdische Figur. Advokat Gayer, echter Sohn seiner bayerischen Heimat, erweckt Sympathie und Mitgefühl, wenn der Tod des entfremdeten Sohnes im Vater vergessene Quellen der Religion und des Stammcsgefühls hervorbrechen läßt. Mit diesem Werke hat Feuchtwanger die Frage der Unterordnung des nationalen Sonderrechtes unter die Idee des absoluten Rechtes mutig bejaht und sich gegen das ,.BluU' auf die Seile des Geistes gestellt. X. II. ERNST GLAESER: FRIEDEN. Verlag Gustav Kiepenhcuer. Berlin. In diesem Buche setzl Glaeser die Darstellung der Entwicklung der Nachkriegsjugend fort, die in dem Roman .,Jahrgang 1902" begann. Seine Jugend kommt aus halbbourgeoisen Milieu der Intelligenz. Die jungen Menschen können nicht aus dein Denken ihrer Klasse heraus, trotzdem .sie das soziale Unrecht und seine unvermeidlichen Folgen klar erkennen. Sie stehen zwischen den Klassen. Denn die Grundlage, auf der sie das neue Leben zimmern wollen, war die Grundlage der bürgerlichen Kultur, die zum Untergänge verurteilt ist. Als klassenlose Menschen sind sie zur untätigen Betrachtung verurteilt. Eine kraftvolle Darstellung der Heimkehr der deutschen Armee, der revolutionären Erhebung der Arbeiter in Westdeutschland und ihrer gewaltsamen Niederwerfung durch Freiseharen, deren anarchisches Denken schon die künftige Front der neuen slaalsbedrohenden Richtung erkennen läßt, schließt das Episodenhafte zur trostlosen Erkenntnis der Hilflosigkeit zusammen. A. SCHALOM ASCH: MOSKAU. Paul Zsolnay- Verlag, Wien -Berlin. Das letzte Werk der Trilogie soll von der Vergeltung für die große Sünde berichten, die Rußland hieß. Der ursprüngliche Sinn für Gerechtigkeit und Wahrheil, der diesen jüdischen Schriftsteller kennzeichnet, verlangt die Erhebung der Niedrigen und Enterbten und den Untergang einer Gesellschaftsklasse, die in .selbstzufriedenem Leben die Früchte der Unterdrückung genossen hat. Aber die RohheiL und Unbeirrbarkeit der entfesselten Grausamkeil des Proletariats läßt den jüdischen Mitkämpfer, den Asch in den Mittelpunkt seiner Trilogie gestellt iiat, verzweifeln und ihn weggehen von den Menschen, die durch die Ausrottung der Bürgerklasse die unbeschränkte Herrschaft der neuen Rasse sicherstellen wollen. Der Roman ist jedoch weil davon entfernt, doktrinär zu sein. Eine kraftvolle und zum großen Teile auf selbsterlebten Episoden begründete Darstellung der Revolutionslage in Moskau. Menschen, die nicht aus Papier sind und in weltabgcwandtm Thesen sprechen, sondern aus dem kraft- und taterfüllten Leben der Wirklichkeit herausgefischt sind, wie der russische Gutsbesitzer, der zum Besuch seiner Freundin nach Moskau fährt, der Pelroleumgroßindustrielle. der Rußland den Rücken kehrt und im jüdischen Palästina seine Fähigkeit und sein Kapital verwertet, der Holzmagnal. der glaubt, seine Kraft und Organisation auch den neuen Herren nicht vorenthalten zu dürfen und dessen Lohn die Kugel wird, alle diese Schicksale sind wahr gelebt und weil sie es sind, lassen wir uns von ihnen fesseln und erleben mit ihnen das Chaos jener Zeil.