Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 593 (sequence 8)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 5ü3 sen bloß die Vertrauensleute . . . Die Polizei entsandte Detektive, sie forschten, schnüffelten und suchten, fanden aber nichts. Die Beamten verdächtigten sich gegenseitig, die Direktoren schrieben feurige Briefe, und es geschah, wie es im jüdischen Sprichwort heißt: „Wenn beim Herrn gestohlen wird, so ist das Dienstmädchen das Opferlamm.*' Der grundehrliche Peterson und einige untere Beamten, die gegen irgend eine ,,Größe4' aufzumucken wagten, wurden entlassen. Man mußte doch auf jemanden den Verdacht abwälzen. Wir hatten unsere Genugtuung. Aber der Zufall hatte uns dann noch größere Schadenfreude verschafft. Einige Gutsbesitzer, bei denen gezähmte Ochsen gekauft wurden, kamen am 7. November und forderten das Geld oder die Ochsen zurück, da die früheren Verwalter sie bei ihnen auf Kredit gekauft hätten. Die neuen Direktoren bissen die Lippen zusammen und bezahlten für die Ochsen ein zweites Mal, um einen Skandal zu vermeiden. Es tat uns bloß leid, daß der gute Maxime Kogan nicht mehr zugegen war. Er war zwei Tage vorher abgereist. Aber die damaligen Herrschaften kannte er genau. Das hatten wir seinem Abschiedsbriefe entnommen, in dem er uns versprach, dem Baron über die Zustände in der Kolonie genaue Aufklärung zu geben und dafür zu sorgen, daß wir nicht für fremde Fehler büßen müßten. Gerüchte wollten wissen, daß dieser vornehme russische Jude sein Versprechen eingehalten hatte, denn das Viertel unserer Schuld, das uns der Baron iii seinem Testamente geschenkt, sollen wir dem Einllusse Kogans zu verdanken haben. Indessen nahte die Erntezeit heran. Am 20. Dezember kam von der Verwaltung der Auftrag, mit der Arbeit zu beginnen. Ob der Weizen schon reif war, darum kümmerten sie sich nicht. Der Auftrag mußte ausgeführt werden. Die unerfahrenen Stadtjuden, die ihr Leben lang keine Erntearbeiten verrichtet, und die wenigen ehemaligen jüdischen Dorfbewohner, die bloß einmal zugesehen hatten, wie die Bauern ihrer Heimat mit primitiven Geräten ihren Acker bestellten, sollten nun die Bindemaschinen bedienen. Unglücklicherweise hallen die lea--Beamten veraltete Schneidemaschinen eingekauft, die die Firma Jahre lang nicht loswerden konnte. War das eine Plackerei! XLL Die Ernte des Jahres 1893/94 ie Ernte fiel etwas spät aus.