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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. 579

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
[Einleitende Bemerkung zu] Brief aus Polen / N. H.
Date
1930-11-01
Page
579 (sequence 1)
Language
German
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BRIEF AUS POLEN Dieser L.ssny ist einer Sammlung der leinst geformten ])iir.sk'lhingt»i> über Menschen und Zustände unserer /eil entnommen, die unter dem Titel ..Paniiptikunr- Gestalten und Kulissen von Joseph Rolh im Verlage Knorr ,t Ilirlh G. m. b. U., München, erscheint. Wirklichkeitsgetreu sind die Akteure der täglichen Lebenslragödie gezeichnet, bildhaft;iueh die Umgebung — die Kulisse — wiedergegeben, deren dcslallung zwangsläufig den Ablauf der Menschenschicksale ljeeinllul.il. Eine solche Kulisse für einen ansehnlichen Teil der jüdischen Bevölkerung Oslgaliziens ist das Petroleumgebiet von Boryslav und Drohobycz. wo Raffinerien und Petroleumbandcl Arbeits- und Krwerbsnu'igliclikeiteu bieten; soll doch selbst die Entdeckung des Petroleums, das beil.it die Verwendung des mineralischen Masuts zu Brennzwecken, von einem jüdischen Krämer. Abraham Schreiner, gemacht worden sein. Diese Leseprobe, die wir mit freundlicher Genehmigung des Verlages hier vendfenllirlien, zeigt die Bildhafligkeil der Sprache Joseph Roths, die in seinem „Panoptikum" die Akteure seines Wirklichkeitstheaters nicht in Waehs. sondern lebenserfülll erscheinen läßt. X. IL Lieber Freund, ich komme eben aus einem der interessantesten Gebiete Europas. Ich meine jenen Teil des kleinpolnischen Landes, in dem sich die berühmten Petroleunufuellen belinden. Es liegt, wie Sie wissen, im Süden Mittelgaliziens und am nördlichen Hände der Karpathen, und sein Mittelpunkt ist die sehr merkwürdige Spult Boryslaw. Seit der Milte des 19. Jahrhunderts wird hier Petroleum gewonnen. Auf einem Gebiete von etwa 15 Quadratkilometern stehen die dunklen hölzernen Bohrtürme. Vergleiche ich sie mit den Bohrtürmen von Baku, so erscheinen sie mir weniger grausam und gewissermaßen der Erdober- Hüche weniger gefährlich. Die Erde des kaukasischen Petroleumgebiets nämlich trägt auf ihrem Angesicht jenen Fluch, der wie ein Ausgleich für den Segen in ihrem Innern ist. Sie hat kein Grün, nur w üsten gelbgrauen Sand und braune schmutzige Tümpel, die niemals trocknen wollen, obwohl sonst alles in der südlichen Sonne dorren nuiü. Iiier. in Boryslaw. das man das „polnische Baku" nennt, ist die Sonne gemüßigt, sind die Bohrtürme schütter und Irolz ihrer tausendfachen Zahl noch immer nicht die einzige Vegetation des Landes. Noch gibt es Wälder, die nur zögernd vor den Türmen weichen und sie eher friedlich zu umgeben als feindselig zu fliehen scheinen. Der Blick darf von den verschalten Quellen weg zu den grünen Hügeln schweifen, denen der Umstand, daß sie schon zurFnmilie der Karpathen gehören, eine gewisse Bespektabilität verleiht. Und wäre nicht der Staub, der

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