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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 578

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
Date
1930-11-01
Page
Seite 578 (sequence 22)
Language
German
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578 MENORA II Union der Willkür einer mü sehrotVsten Gewaltmitteln vorgehenden Despotie preisgegeben sind. Die ersten haben oftmals (doch nicht überall) von einem Regierungsantisemitismus zu leiden; doch besitzen sie die volle Möglichkeit sich zu organisieren, selbst ihre Mißslande zu bekämpfen, und in freiem Kontakt mit dem Weltjudentum zu arbeiten: die russischen Juden sind in alLen Äußerungen des Lebens gefesselt, sie sind nicht mehr Subjekte, sondern ausschließlich Objekte der Politik. Die weitverbreitete Meinung, daß die schwere wirtschaftliche Krise des Ostjudentums lediglich auf die Tatsache zurückzuführen sei. dal.) ein großer Teil der Ostjuden in den sogenannten unproduktiven .Berufen, das heißt im Handel, beschäftigt ist. muß hier zurückgewiesen werden. Erstens ist der Handel eine vollkommen unentbehrliche Form der Wirtschaftstätigkeit nicht nur in einer bürgerlichen, sondern auch in einer sozialistischen Gesellschaftsordming und ist genau so produktiv wie alle anderen Formen der Wirtschaftstätigkeit. Und. zweitens, hat infolge der stattgefundenen Umwälzungen der wirtschaftlichen Verhältnisse ein sehr bedeutender Teil der jüdischen Bevölkerung, der im Handwerk und der Kleinindustrie tätig war. genau so wie die jüdischen llandelsklassen, seine früheren Lebensquellen verloren und befindet sich daher in schwerster Not. Auch die Politik der neuen 'Regierungen ist in nicht unbedeutendem Maße gegen den Teil der jüdischen Bevölkerung, der mit körperlicher Arbeit beschäftigt ist. gerichtet. Die Anpassung der Ost juden an die nach dem Weltkriege neugeschaffenen ungünstigen Bedingungen und die Bekämpfung der gegen sie gerichteten Regierungspolitik ist für sie eine äußerst schwierige Aufgabe. Der einzige Vorteil im Vergleich zu der Vorkriegszeit, ist die1 Konsolidierung besonders in den Überseeländern der großen Abzweigungen des jüdischen Volkstums, die in den letzten Jahrzehnten Platz gegriffen hat. Nur in einer systematischen und planmäßigen Zusammenarbeit mit dem Weltjudentum könnte die schwere Krise des Ostjudentums teilweise gemildert werden. Dazu muß aber das Weltjuden tum zu der Ansicht durchdringen, daß der Weltkrieg keine vorübergehende Erschütterung sei. sondern einen Wendepunkt und gewissermaßen einen fatalen Wendepunkt in der Geschichte des Ost Judentums, des zahlreichsten und wichtigsten Trägers des jüdischen Geistes und der jüdischen Tradition, bedeute. A n m o r k n n g d e r R e d a k t i o u: Die Abbildungen, welche diesem Aulsalze beigegeben sind und einige Details aus dem im Werden bcliiidlieben l'nisc.hichlungsprozcß darstellen, wurden über Ersuchen der Redaktion von ..ORT'4. Verband zur Förderung von Handwerk. Industrie und Landwirtschaft, unter den Juden. Berlin, freundlichst zur Verfügung "gestellt.

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