Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 572 (sequence 16)
- Language
- German
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572 M E N 0 R A H verhängnisvollen Folgen für die Juden ist die Abschnürung des kommunislischen Ostens von der ..bürgerlichen" Well. Sie findet in dem Bestehen des russischen Außenhandelsmonopols ihren Ausdruck. Der russische Außenhandel, der infolge der Abtrennung seiner industrialisierten Provinzen stark wachsen müßte, macht jetzt kaum mehr als eine Hälfte seines Vorkriegswerles aus, und er richtet sich nur in einem sehr kleinen Ausmaße den Randstaaten zu. Mit dem Abschluß des Versailler Vertrages kam es überhaupt noch nicht zur endgültigen Befriedung Europas. Die Beziehungen von Sowjetrußland zu Rumänien, von Polen zu Litauen, von Ungarn zu Nach folgeslaaten bleiben immer noch gespannt, und die Beziehungen von Polen zu Deutschland sind noch immer nicht reguliert. Diese politischen Spannungen machen eine normale wirtschaftliche Zusammenarbeit der Staaten unmöglich. Mit einem Schlage wurden also wirtschaftliche Beziehungen, die schon seit lange bestanden haben und die ganze wirtschaftliche Struktur der abgetrennten Länder bestimmten, gänzlich abgebrochen. Die letzten müssen sich jetzt ganz anders wirtschaftlich einstellen und das ist im besten Falle ein langsamer, schmerzhafter und kostspieliger Prozeß. Und das Unglück der Osljuden ist es, daß sie jetzt in verhältnismäßig kleine Staaten eingegliedert sind, wo für die Entwicklung des Handels und der Industrie doch ziemlich enge Grenzen gezogen sind. Das muß sogar von dem größten Nachfolgestaat, von Polen, gesagt werden, in dessen Gebiet jetzt der weil größte Teil der von Rußland abgetretenen Juden wohnt. Auch in diesem Staate, der doch bedeutende wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeilen besitzt, kann der jüdischen Bevölkerung zunächst der Verlust des ungeheuren russischen Marktes nicht ersetzt werden. Man muß Polen mit dem gewesenen russischen Ansiedlungsrayon vergleichen, um die neugeschaffene schwierige Situation für das zahlreiche polnische Judentum richtig beurteilen zu können. Um den gewesenen jüdischen Ansiedlungsrayon zu erhalten, müssen wir den weitgrößlen Teil des heuligen Polens mit Litauen, Bessarabien und den drei Sowjetrepubliken der Ukraine. Weißrußlands und der Krim zusammenlegen: dann erst haben wir den gewesenen Ansiedlungsrayon. Er bestand aus Gebieten mit grundsätzlich verschiedenen natürlichen Eigenschaften, und das war für seine Wirtschaftsentwicklung außerordentlich günstig. Der Ansiedlungsrayon war aber von den inneren Gebieten Rußlands nicht abgeschnürt. Die Juden konnten unter gewissen Bedingungen zu Geschäftszwecken das innere