Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Das Problem der antiken Synagoge
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 556 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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556 ME NORAH nicht untersucht worden; ob es sich hier bereits um eine Rückwirkung des Kirchenbaues oder um eine immanente Entwicklungstendenz des jüdischen Kultbaues handelt, bleibt dahingestellt. In der Synagoge von Hammat bei Tiberias, die Slousch 1921 aus gegraben hatte, ist die nach Jerusalem gerichtete Mauer — auch hier ist es die Südmauer —■ bereits auf der Innenseite architektonisch betont. Eine Kleinarchitektur ist vor dieser Mauer entdeckt worden, die den Hl. Schrein beherbergt haben dürfte. Am deutlichsten ist die Wand lung aus der Stellung des Sitzes des Archisynagogen zu erkennen, denn er steht hier nicht an der Nordwand, die der Westwand der delinischen Synagoge entsprechen würde, sondern, wie schon in Chorasiin, an der Südwand. Wie wenig der Sitz des Archisynagogen jetzt richtunggebend ist, ist daraus ersichtlich, daß der Archisynagoge nicht mehr in der Mittelachse des Raumes, sondern im NebenschifT sitzt (Fig. 4). Der Hl. Schrein, nicht der Sitz des Vorstehers, beherrscht nun den Raum. Von diesen Lösungen ist zu der von Beth Alfa nur noch ein Schritt. Aus den Mitteilungen von E. L. Sukenik über diese Synagoge in Encyclopaedia Judaiea. IV, Beth Alfa entnehmen wir, daß die Synagoge von Norden nach Süden, also nach Jerusalem orientiert ist. daß sie drei Portale auf der Nordseite (also nicht wie die Synagogen der früheren Zeit) hat, und auf der Südseite, das heißt an der nach Jerusalem ausgerichteten Wand, eine runde Apsis aufweist, die, wie er meint, den Aron ha-Kodesch beherbergt hat. Eine später errichtete Bima steht an der Ostseite, mehr nach Süden gerückt. Interessant wäre es zu wissen, ob die Apsis an der Außenseite sichtbar war, was aus der Beschreibung Sukeniks hervorzugehen scheint. Die Apsiden in den meisten christlichen Kirchen der gleichen Zeit in Palästina waren noch ummantelt. Besonders wichtig im Sinne der Orientierung ist die Tatsache, daß das Fußbodenmosaik in Beth Alfa nicht, wie in Naro, vom Platz des Archisynagogen aus zu betrachten ist. sondern umgekehrt. Der in die Synagoge Eintretende schaut auf die südliche Schreinwand und übersieht von seinem Platz aus gleichzeitig das Mosaik, und dieses Mosaik stellt denn auch bezeichnenderweise einen Hl. Schrein dar, dem andere interessante Bilder von Süden nach Norden folgen. So ist die Orientierung der Synagoge erst im Laufe der Jahrhunderte durch Einsetzung des Hl. Schreines als Blickziel zu straffer Vereinheitlichung gediehen, wenn wir allerdings die Bezeichnung Orientierung als Ausrichtung nach dem Tempelplatz in Jerusalem verstehen, nicht aber ausschließlich als Ostung, wie sie in den Kirchen meist durchgeführt wurde.