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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. 540

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Der Maler Ziegmunt Menkes
Date
1930-11-01
Page
540 (sequence 1)
Language
German
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DER MALER ZIEGMUNT MENKES Die Kunst Menkes' ist geboren aus dem Drang, Visionen umzusetzen in farbige Geslallung, Bilder.'du; in ihm brennen, mit Farbe zu löschen. Der Schaffensprozeß des Malens wird bei ihm zum Ventil, ans dem ein Gefühl mit erschütternder Intensität strömt, um sich in Formen zu ergießen, che zu seelischen Bekenntnissen -werden. Dies ist die Quelle und gleichzeitig die Erklärung seiner Kunst. Menkes schafft aus dem Üeberfluß seiner Impulsivität. Die schöpferische Formung des Gegenständlichen nimmt bei ihm nicht den Gegenstand selbst zum Ausgangspunkt, indem er malerische Realitäten schafft auf der Basis des Gesehenen, vielmehr formt er von innen heraus, er überläßt die Pinselfiihrung der Stoßkraft seines Gefühls, er gebiert die Vision zur Farbe, mit allen F'Lbern seines Herzens die Wehen der Gestaltung durchkämpfend Diese Kraft ist so stark, daß die Farben über die Ufer der Form branden, die Konturen sprengen. Sie fließen in einem glühenden Rot, einem abgründigen Schwarz, aus ihrer Glut tauchen Menschen und Dinge auf, die Abbilder seines Selbst sind, überquellend in der Kraft des Ausdrucks, erfüllt von einem lyrischen Gefühl, das manche seiner Bilder fast sentimental erscheinen läßt. Ausgerüstet mit solchen Qualitäten, hälle Menkes für seine erste deutsche Ausstellung (ct arbeitet seit sechs Jahren in Paris und stellte vor kurzem in Berlin aus) keinen glücklicheren Zeitpunkt wählen können. Denn in dieser Zeit, da einem Teil der heutigen Malergeneration über die Unsicherheit formalen Suchens und Experimentierens die Mcnkcssche Urspriinglichkeil des Schaffens verlorenging, da teils ein neuer Biedermeier, teils ein hohles Formenpathos mehr und mehr Platz zu greifen scheint, in dieser Zeil müssen die Bilder Menkes als ein Kontrast wirken, der wie eine Offenbarung sein kann. Daß wir dieser künstlerischen Intensitäl bei Menkes in solchem Ausmaß begegnen, mag die Erklärung in seiner Herkunft finden. Menkes ist Ostjude. Einer jener Menschen denen die qualvolle Enge des Daseins, jahrhundertelange Unterdückung seelische Kräfte schufen, die nun bei ihm mit ekstatischer Kraft in farbigen Erlebnissen sich auslösen. Man kann in den Bildern Menkes1, besonders in den Akten, starke Anklänge an den Franzosen George Rouault finden. Es ist dieselbe Gestaltungsweise, die die Formen und selbst das Licht untertauchen läßt in den Fluß der Farben. Doch es wäre falsch, nun in den Werken Menkes' eine bewußte Anlehnung an Rouault zu sehen. Damit würde man die Ursprünglichkeit seiner Gestaltungsweise, den fast zwangsläufigen Weg vom visionär Erfühlten zur malerischen Formgebung verkennen. Die Ähnlichkeit der künstlerischen Wege Rouaulls und Menkes' entsteht aus der Gleichheit der Quellen, aus denen sie schöpfen. Es ist dieselbe Inbrunnst einer Religiosität, die Rouault Christusbilder malen läßt und Menkes die Thora und betende Juden, dieselbe Kraft eines sinnlichen Gefühls, das ihre Akte, ihre Stilleben mit einer unerhörten Glut und Spannung erfüllt. Rouault ist ein Fertiger, Ausgeglichener. Menkes aber ist seinen Weg zur Vollendung noch lange nicht zu Ende gegangen. Die Bilder, die in der Galerie Ilartberg ausgestellt wurden, zeigen, daß die Impulsivität der Gestaltung starker ist als die Kraft, sie zu meislern. Die gefiihlsstarke Hingabe an das Schaffen muß mehr als bisher gelenkt, eingedämmt werden durch die Kontrolle des Intellekts. Doch wichtig ist, daß die. Voraussetzungen da sind, die Ziegmunt Menkes zu einem großen Künstler, zu einem Führenden seiner Zeit prädestinieren. Werner Goldschmidt

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