Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Frieda Abraham
- Date
- 1930-11-01
- Page
- 539 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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FRIEDA ABRAHAM Wie es die Malerin Frieda Abraham bei der Führung durch ihre Ausstellung palästinensischer Landschaften. selbst erzählte, bedeutete es für sie ein gewaltiges Lichtimid Farbenerlebnis, aus ihrer grauen, schattenlosen Heimatstadt Berlin in den Sonnenglanz von Palästina unterzutauchen. In weißen zitternden Glast sah sie durch Palästinas Sonne alle Formen und Farben gelöst. Weich verflimmern in der blendenden Helle auch die schärfsten Konturen. Nur die glitzernde Bläue des Meeres und die strahlende des Himmels vermögen, sich in der alles schmelzenden Weißglut zu behaupten und so jene Symphonie von Blau und Weiß zu erzeugen, die das Farbensymbol des Landes geworden ist. Dort aber, wo Menschenhände sich schattende Bogen und Gewölbe und eng aneinandergereihte Mauern errichtet haben, wuchtet um so schwärzer das Dunkel, zaubert wechselnde Effekte und hüllt die langgewandeten, malerisch drapierten, auf niederen Eseln hoch daherreitenden oder langsam dahinschreitenden Gestalten aus biblischer Urzeit in geheimnisvolles Dämmerlicht. Erst wenn der späte Nachmittag die Grelle dämpft, dringen die Farben wieder durch, lohend, als müßten sie nun das Sonnenfeuer wieder ausströmen, das sie tagsüber in sich getrunken und die Märchensilhoneiten der Zinnen und Kuppeln, der zackigen Ruinen und übereinandergetürmten Häuserwürfeln profilieren sich wieder deutlich am leuchtenden Abendhimmel neben den phantastisch geformten Riesenkakteen und Agaven, den gefiederten Palmen und in sich gerafiten Zypressen. Es gehört ein großes Können dazu, um diese Licht-, Luft- und Farbenphänomene in die Sprache von Pinsel und Leinwand zu übersetzen und den Maler, der aus den gänzlich verschiedenen künstlerischen Problemen nördlicherer Himmelstriche kommt, ergreift es wie ein verzehrendes Fieber, bis er der Bewältigung dieser neuen Aufgaben nur halbwegs näher kommt. Auch Frieda Abraham erfaßte dieses Fieber, und während ihres viermonatliehen Aufenthalts in Palästina mühte sie sich rastlos um die malerischen Lösungen, auf die das Land wartet und die sie theoretisch gut erfaßte. Mehr als fünf Dutzend Aquarelle und eine stattliche Reihe von Ölbildern, die sie von drüben mitgebracht hat, wollen dafür zeugen. Eine gediegene Technik steht Ihr zur Verfügung. Sie ist frei von Extravaganz und Manieriertheit. Nur die Treue gegenüber dem Objekt scheint sie zu beherrschen, wenn sie an die Arbeit geht. Aber noch hindert sie Berliner Nüchternheit und Sachlichkeit die Romantik der romantischen Gegenständlichkeit, die sie als Thema bevorzugt, auch wirklich hervorzuzaubern. Noch steckt zu viel nordisches Grau in ihrem Pinsel und zu viel Härte in den Linien ihrer Leinwand besonders in den Ölbildern. Die Aquarelle sind lockerer im Atmosphärischen, unmittelbarer im Ausdruck, entspannter in ihrer ganzen Wirkung. Aber das meiste wirkt wie Dejä-vue, trägt keine persönliche Note und erfreut bloß als Vertrautes, anspruchslos Geschautes und W iedergegebencs. Wenn fast alle ausgestellten Bilder Frieda Abrahams auch trotz mancher Qualitäten mehr wie Vorübungen wirken zu weiterer Vervollkommnung, so gibt das Siloahbild die Hoffnung auf eine Entwicklung zu stärkerer Individualität. Frieda Abraham war jetzt in Marokko, um der bunten, verträumten Romantik des Orients weiter nachzugehen. Vielleicht wenn sie von da und anderen südlichen Studienaufenthalten wieder nach Palästina kommt, wird sie dort fortsetzen können, wo das Siloahbild versprechend anfängt. Und vielleicht wird sich ihr dann auch die Romantik des jungen Palästina eröffnen, die bisher keinen Widerklang in ihren Bildern gefunden hat, weil sie ihr — vom rein künstlerischen Standpunkt — als zu wenig malerisch, zu europäisch, zu banal erscheint, in der aber doch andere Künstler die Seele Palästinas begeistert entdeckt haben. Dr. Nadja Stein