Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Ludwig Hatvany: Bondy jr. [Rezension]
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 508 (sequence 2)
- Language
- German
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508 MENORAH leben, ist eine Errungenschaft des Budapest von 1900, nicht des Miskolcz von 1860. Wenn ein Jude, selbst der kleinste Getreidemakler, damals in Miskolcz eine Beziehung zum Buche hatte, war sie reinlich, reinlicher als die vieler Bücherschreiber von heute. Diese Rückverlegung von Charaktereigenschaften der eigenen Umgebung ist in dem Buche Hatvanys unzählige Male zu finden; sie erklärt nichts und erreicht nichts, denn sie ist unwahrhaftig. Man kann Süßlichkeit „machen" und kann Bitterkeit „machen", — in beiden Fällen v e r r ä t man das, was man darstellen will, statt es zu verewigen. Und dies ist der Grundzug d'es Buches, mag es von der ungarischen Revolution, vom jüdischen Geschäftsgeist oder von der Puszta erzählen. Bei einer Bestattung läßt der Autor ein hebräisches Gebet „in der schauerlichen Sprache aller Knochen und Schädel" sprechen; sein Buch aber hat den grauenhaften Ausdruck aller Larven und Masken, denen nicht einmal eine Sprache gegeben ist . . . S. S. JULIUS KADEN-BANDROWSKI: GENERAL BARCZ. Buchverlag der Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt am Main. Mit diesem Roman hat sich der begabte Kaden-Bandrowski, heute wohl einer der stärksten liierarischen Kräfte Polens, in die erste Reihe der modernen Romanschreiber gestellt. ,,General Barcz" ist eine Entlarvung des modernen politischen Lebens. Alle Winkelzüge der Intrige, das Ineinandergreifen politischer Aktion und menschlicher Leidenschaft, der Kampf um das Recht und die Macht der Korruption, alles ist hier vereint in der Darstellung des Leidensweges eines modernen Diktators. Die trostlose menschliche Einsamkeit ist Begleiter des Anstieges zur Macht. Dieser Roman wird dem Zeilgenossen manches Geschehen in der jungen polnischen Republik mit psychologischem Verständnis näherbringen. VIRGINA WOOLF: ORLANDO. Insel-Verlag, Leipzig. Ewige Bewegung und lebendige Bilder einen Vergangenheit und Gegenwart. Die Erscheinung der handelnden Person wandelt sich. Aus Mann wird Frau, aus Vergangenheit Gegenwart. Im maskenhaften Kleide ihres Jahrhunderts erfüllt die Persönlichkeit immer die gleiche Aufgabe. Dieses Überschreiten der Zeitgrenze, die sieghafte Kontinuität der Individualität gibt diesem Roman den eigenartigsten Charakter. //. PANAIT ISTRATI: KODIN. Verlag Hütten & Loening, Frankfurt am Main. Diesmal erzählt Istrati primitiv und klar, wie das Volk redet, dem er entstammt, einige hinreißende abeiileuerhafte Episoden seiner Jugend. Verbrecher und Vagabunden treiben ihr Spiel im Hafenviertel von Braila, in den Auen der Donau, bannen uns mit der trauimüßen romantischen Gewalt des Orients. />\ J. STEINBERG: ALS ICH VOLKSKOMMIS¬ SÄR WAR. R. Piper-Verlag, München. Izchak Sleinberg, der Sozialrevolutionär, gibt hier einen kleinen Ausschnitt aus den Episoden der russischen Oktoberrevolution 1917, als Sozialrevolutionäre und Bolschewiken gemeinsam um die Seele der revolutionären Massen rangen. Für gewisse Kreise wäre die Schilderung der Tätigkeit der jüdischen Mitglieder des Rates der Volkskommissäre sehr aufschlußreich, die durchwegs für die demokratische Entwicklung der neuen Staatsgewalt und gegen jeden Terror auftraten. //. JOHANNA ABELES & SOHN MIEDERSPEZIALITÄTEN WIEN, I, ROTENTÜRMSTRASSE 23 Herausgeber, Eigentümer und Verleger Dr. Norbert Hoff mann, Wien, I., Zelinkagasse 15. Verantwortlicher Redakteur Friedrich Matzner. Wien V., Margaretengürtel 12. Druck der Waldheim-Eberle A. G. (verantwortl.: Karl Wieland), Wien, VII. Seidengasse 5—11.