Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Klabund: Chinesische Lyrik [Rezension]
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 507 (sequence 2)
- Language
- German
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BIBLIOGRAPHIE 507 mation oder, wenn es gut ging, beides; entweder kamen freie Phantasien, auf Grund von wissenschaftlichen Prosatexteii zustande, oder die Gelehrten pfuschten den Dichtern ins Handwerk und bemühten den Pegasus zu stolpernden Rillen. Unter den Werken Klabunds. die der Phaidon-Yerlag auflegt, Lefimdel sich nun eine Neuauflage seiner Nachdichtungen östlicher Lyrik in drei Bänden, von denen hier die .»Chinesische Lyrik" zur Besprechung vorliegt. Ks sind im wesentlichen dieselben Gedichte. «Iii1 seinerzeit in zwei Inselbändchen ver(")IVenllichl waren, vennehrt um manches bisher Unbekannte und um eine Auswahl ans den Sprüchen des Laolse; dieses Mehr ist nicht immer ein Vorteil, insbesondere erscheint die Laolse-Auswahl überflüssig, weil sie schon mangels philosophischer Qualität nicht berechtigt ist und das Dunkel des alten Magiers, in das nach den Ansichten vieler Sinologen hineingeheimnist würfle, was nicht Wenn man auch den frühverstorbenen und technisch frühvollendelcn Klabund nicht immer zu ernst nehmen darf — ein allzu lockeres Handgelenk und eine frappante Fingerfertigkeit verführten ihn—diese Leistung muß man ausnehmen. Die Übertragungen chinesischer Gedichte werden ihren Hang behalten, wenn vieles, was er sehrieb, verbliehen ist. Wie hier die zarte Seelenlandschaft Chinas, Kunst einer impressionistischen Kultur, mit der jugendlichen Erregung des Expressionismus zusammenstößt und sich dennoch verbindet, ist in der Tat etwas AuI3erordentliches. Daß sieh diese beiden scheinbar heterogenen Elemente so gut verbunden ließen, bringt die Bestätigung für eine Tatsache, die wir schon ehedem hätten ahnen sollen: daß nämlich hinter dem ganzen Übersehwang gar keine Jugend stand, daß diese Jugend nur eine Geste, ein Verzweiflungsmanöver war, und im Grund ebenso morsch und alt, wie die müdästhetische, die ihr voranging. Und nur aus diesem Grunde konnte Klabund den Schmelz der chinesischen Palelte und die explodierende Empörung der Kriegsgediehte zugleich herausbringen, Gebilde, die nichts zu tun haben mit dem späteren Literaten, der konjunkturkundig und in allen Sätteln gerecht war. E. W. LUDWIG II AT VAN Y: BONDY JB. Drei- Masken -V e ring, München. Die ..Chronik" einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Ungarn wird in diesem umfangreichen Buche begonnen (dem noch ein zweites, vielleicht auch ein drittes folgen sollen). Chronik bedeutet möglichst wahrheitsgetreue historische Niederschrift; dieser Bomau ist keine Chronik, denn er ---- kann nicht bei der Wahrheit bleiben, obwohl es oft zu merken ist, wie sehr sich der Erzähler bemüht, es zu tun. Doch unversehens entgleitet ihm der Laden der Wahrhaftigkeit und immer wieder mündet die Erzählung in Mache. Das ist scheinbar der Fluch jenes Lileralurbelriobes. der sich in Budapest aufgetan hat und täglich und stündlich zeigt, daß man alles ..machen" kann: was er anfaßt, wird zu Tombak. Das Schicksal des Judentums in Ungarn künstlerisch zu formen, wäre eine dankenswerte Aufgabe für einen wirklichen Schattenden, dem die Gestallung oberster Wille ist. In diesem Buche aber versandet die Gestaltung immer wieder in äslhetisicrende Wertung, wobei bedenkenlos Geschmack und Ungeschmack dureheinandergeschültelt werden. Die Zerit ralfigur des Romans ist Hermann Bondv, der Begründer eines Großhändlcrhauses in Budapest. In seinen Anfängen richtet er an einen Vetter die Mahnung: ..Lern' aus den Büchern zu leben." Dazu bemerkt der Autor: „Das mahnende Wort halte aber kaum den Sinn, Jakobs Lebenserfahrung solle mit der Zahl gelesener Bücher wachsen. Im Gegenteil, der lebenskluge Hermann meinte, der lebensfremde Jakob möge d a s L e b e n a u s recht viel v e r k a u f t e n B üc h e r n r i c h t i g e r k e n n e n." Arger und seichter ist wohl selten zum Zwecke von Charakterschilderung gekalauert worden; und überdies ist die hier angedeutete Beziehung zum Buch umvahrhaflig dargestellt. Daß Bücher bloß dazu dienen, um von ihnen zu