Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 486 (sequence 12)
- Language
- German
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486 MENORAH von der Gruppe 39 bis zu der großen ,,Laguna" in Algorobo, wo uns der Platz für das Bad zugewiesen wurde, zu überführen. Und den Arbeitslohn — setzte er fort — werden wir selbst aufbringen. Jeder wird von seiner Unterstützung einen Peso hergeben. Das mußt du schreiben, verstanden? Das muß so rasch als möglich gemacht werden! Ks ist eine Lebensnotwendigkeit! Verstanden?" Ich gehorchte und machte den Aufruf sowie den Plan des Bades bald fertig. Der Alte nahm die Papiere an sich und ging sofort an die Arbeit. Nach monalelanger. schwerer Mühe hatte .Jissruel Lissin den ersten Gemeindebau aufgeführt - das Bad. In der Kolonie herrschte reges Leben: Neue Herren neue Verordnungen, neue Befehle. Viele Kolonisten tanzten vor Freude und rühmten die neuen Direktoren in den Himmel hinein. Aber es gab auch welche, die ihr nicht genug (hieben konnten. Dieser junge Berkenheim ist ein Mörder!*' sagte mir der alleinstehende M. K. Unbarmherzig weist er die Kolonisten aus! In seiner Liste befindet sich eine Menge von Leuten. Der ..Ägypter" ist wieder auferstanden und nimmt Rache an den Kolonisten." Hingegen brachten Nachbarn gute Nachrichten aus Algorobo. ..Unsere russischen Direktoren", erzählten sie, ..sind besser und praktischer als die englischen. In einer Gruppe wird bereits eine fünfzig Hektar große Hürde gebaut, damit das Vieh während der Nachtzeit weiden könne. Man wird sich nicht mehr an jedem Morgen auf die Suche nach den Ochsen begeben müssen, und oft vergeblich, weil irgend ein Kolonist aus einer entfernten Gruppe sich ihrer erbarmt und sie vor den Pflug gespannt oder weil der Akzisenjude hinler ihnen her war und sie geschlachtet hatte." Das pflegte einem in der Tat öfters zu passieren. Jeder brave, arbeitsame Kolonist pflegte sich mit schwerer Mühe ein paar junge wilde Ochsen zu zähmen, um sie dann für die Arbeil benützen zu können. Ließ er sie aber auf die Weide hinaus, so konnte er sie nicht mehr finden. Zuweilen pflegte er sie einfach nicht zu erkennen, obzwar einige Krämer den Einfall hatten, die Horner ihrer Ochsen mit farbigen Bändern zu kennzeichnen. Aber bei der gemeinschaftlichen Hürde konnte das nicht vorkommen. Gute und schlechte Nachrichten lösten einander ab. und mannigfache Gerüchte schwirrten umher: Saalgut für Weizen würde verteilt, die Administration tauschte die wilden, faulen und störrischen Ochsen gegen gezähmte und arbeitsfähige ein; tüchtige, fleißige Kolonisten bekämen außer den früheren sechs Ochsen noch ein Paar dazu.