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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 464

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Olga Maria Rubin
Date
1930-09-01
Page
Seite 464 (sequence 1)
Language
German
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464 MEN ORAH OLGA MARIA RUBIN Vor kurzem hat sich die Malerin O 1 g a Maria Rubin mit einer Kollektivausstellung vor das breitere Publikum gewagt. Sie stellte eine Reihe von Figuralkompositionen, Landschaften und Zeiehenblätlem in den Räumen der Kunsthandlung Würlhle aus. Die Malerin ist einundzwanzig Jahre all, Wienerin, gewesene Schülerin der Klasse Eugen S t e i n h o f in der Kunstgewerbeschule am Stubenring. Die grundlegenden Einwirkungen dieses hervorragenden Kunstpädagogen lassen sich in der Malweise des Fräulein Rubin mit Genugtuung konstatieren: sie basiert auf den Erkenntnissen, die uns die letzten Experimenlaiepochen der modernen Kunst übermittelt haben. Klar umgrenzte, einfarbige Flächen erzeugen Raum und Luft, mit fast gänzlicher Hintansetzung perspektivischer Gesetze. Daraus resultiert eine primitive, gefühlsbetonte konipositionelle Anordnung. Die Farben sind abgeblaßt, wasserklar. Dieses ist ein Weg, der nur ehrliche Ziele verfolgen kann. Hier ist nichts Zufälliges möglich. Das Gesamte läßt sich kontrollieren, in seine Elemente zerlegen. In stiller Erwartung sieht ein junges Mädchen dem herbeigesehnten Leben entgegen. Sie träumt glühende Träume von diesem Leben. Und vielleicht hat sie auch ein wenig Angst davor. Diese Grundstimmung vereinigt die Mehrzahl der Bilder in eine Gruppe. Es sind Produkte einer lebensdurstigen Imagination, etwas weltfremd und drollig steif. Eine reizende Landschaft — zweisellos das beste Bild dieser Gruppe, — ist zart umwittert von einer leisen Dramatik, wie sie manchmal in Märchen, die in der Dämmerung erzählt werden, wiedergefunden werden kann. Die Malerin schöpft hier aus dem Abstrakten eines glühenden Innenlebens und kann demzufolge einer leichten Stilisntion nicht ausweichen. Anders verhält es sich mit ihren Porträts. Hier tritt einem wehrhaft kühn ein Talent entgegen. Mit verblüffender Sicherheit und anmutigem Temperament sprengt die junge Künstlerin die Grenzen, auf die sie in ihren andern Bildern gestoßen ist. Ihre Malleidenschaft wagt sich auf freies, gefahrvolles Gebiet des unbehinderten Pinselstrichs, wie er vom sehenden Auge geführt wird. Nicht hypertrophisches Innenleben, sondern visuell erlebte und verarbeitete Wirklichkeit speist mit ihren Säften diese Gemälde, Als Beispiele dafür mögen die Bildnisse des Dozenten Herz und des französischen Dichters M. dienen. Hier sieht man auch, daß Olga Maria Rubin einige Male in Paris gewesen ist und durch dort erlebte moderne Malerei aus ihrer narkotischen Lethargie aufgerüttelt worden war. Die schüchternen Versuche, den freien Pinselstrich sprechen zu lassen, verursacht duirch reifende Erlebniskraft einer Malerin, üben einen besonderen Reiz aus. Man spürt die beschleunigten Herzschläge, die hochgehenden jungen Wogen eines gesteigerten Lebensgefiihls, angesichts der ersten Offenbarungen sowohl des gefahrvollen Lebens, wie der Entdeckung und der Bestätigung seiner selbst. Alle diese Gefühlskomplexe und ihr Ausdruck in den Bildern sind gedämpft, transponiert in die Möglichkeiten eines jungen, verträumten Mädchens: man fühlt nur ganz leise Pulsschlägo . . . Die Porträts sind es im besonderen, die restlos überzeugen und erwartungsvoll in die Zukunft der jungen Künstlerin sehen lassen. Das Jüdische in dieser künstlerischen Produktion ist nicht übersehbar. Prägnanle, jahrtausendealte Rassenmcrkmale des jüdischen Volkes, wiewohl im höchsten Sinne des Wortes kultiviert, daher nicht kraß augenfällig, wirken sich in diesen Bildern in sehr kräftiger Weise aus, verleihen ihnen besondere Würze. Dieses beweisen zu wollen wäre müßig. Das jüdische kunstliehende Publikum würde sicherlich nur eine angenehme, dankbare und fruchtreiche Aufgabe erfüllen, wenn es diese sehr vielversprechende Künstlerin förderte und in ihrer weiteren Entwicklung aufmerksam verfolgte. Karl Tscharmj

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