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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. 423

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Holzschnitt [Illustration]
Date
1930-09-01
Page
423 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Marc Chagall / Holzschnitt DIE BATLANIM UND KARL MARX ls Kind verbrachte ich viel Zeit in dem Bethause meines Großvaters Simmel Cheifez, wo ich auch meinen jüdischen Unterricht genoß. Einst hörte ich, wie dort einige Batlanim1) oder ,,Weise der Ofenbank"2) ein interessantes Gespräch miteinander führten. Aus dem Gespräche ging hervor, daß im Monat Tammus dieses Jahres (1867) ein merkwürdiges Buch erschienen sei, geschrieben von einem deutschen Juden namens Marx. Geradezu geheimnisvoll wirkte es, als einer der Versammelten hinzufügte, daß ein solches Buch auch nur in diesem verhängnisvollen Monat hätte erscheinen können. Denn im Monat Tammus sei das jüdische Volk auch ohnedies mehrfach schwer heim gesucht worden. Ein sogenannter Führer dieser „Weisen der Ofenbank", namens J) Batlanim (singular Batlan). So nannte man sonderbare Typen, denen man im Ansiedlungsrayon nicht selten begegnete; es waren Menschen, die für eine regelmäßige Arbeit nicht ausgebildet, •wahrscheinlich auch wenig geeignet waren. Sie wohnten gewöhnlieh in den kleinen Bethäusern, verbrachten dort ihre Nächte auf kahlen Bänken, waren bei allen Gebeten anwesend und hatten im Bethaus verschiedene kleine Funktionen zu erfüllen, die ihnen manchmal auch einen geringen Verdienst einbrachten. In freien Stunden waren die Batlanim eifrig mit dem Studium des Talmuds beschäftigt und eB gab unter ihnen oft außerordentlich bücherkundige Menschen 8) Ofenbank — russisch leschanka, jiddisch pripetschek. In den Zeiten, in denen dieses Kapitel spielt, wurden in Eußland die Zimmer und auch die kleineren Bethäuser durch sogenannte „Russische 0fenu geheizt. Die Ofenbank ist der angebaute Teil eines solchen Ofens, der m seiner Form an eine Bank erinnert. Diese Ofenbänke bleiben lange nachdem der Ofen geheizt wurde warm und sind deshalb eine im Winter beliebte Schlafstelle.

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