Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- S. Passarge, Das Judentum ... [Rezension]
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 411 (sequence 2)
- Language
- German
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BIBLIOGRAPHIE 411 liebäugelt, in dem er das Lebenselixier des Judentums entdeckl bat. G. KM IL LUDWIG: LINCOLN. Emst Rowohlt- Verlag, Berlin. In der reiten Kunst der künstlerischen Gestaltung Ludwigs wird eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte ins Blickfeld des Europäers gerückt. Der Pionier, der mit der Axt sich den Urwald erschließt, wird zum Staatsmann und Führer eines Volkes, das noch in den Kinderschuhen der Nationsbildung steht. Und wie er mit Beil und Feuer den Urwald gerodet, so öffnet er sich mit kluger Menschlichkeit und Herzensgröße die Herzen seiner Zeitgenossen und erschließt der werdender} amerikanischen Nation durch d'en Sieg des Huinuni tätsgedankens die hoffnungsreichste Zukunft. V. //. EDNA FERBER: DAS IST FANNY. Gebrüder Enoch-Verlag, Hamburg. Ein .Judenmädchen mit allen Vorzügen und Fehlern ihrer Herkunft sucht seinen Weg. Aus der amerikanischen Kleinstadt drängt es sie in das Getriebe des Warenhauses der Großstadt. Dort in der Leere und Öde der erfolgreichen Jugd nach dem Dollar liiiidet sie ihr Herz, das aber nicht mehr ihr, sondern dem Jugendgespielen und künftigen Gatten zugehören wird. Eine Probe der reizvollen Schilderung, die besonders durch ihre wahrhafte und sympathische Darstellung der Stellung der jüdischen Menschen in dem sozialen Leben der Vereinigten Staaten wertvoU ist, wurde in diesem Blatte im Vorjahre veröffentlich!. Jos. FRIEDRICH TORBERG: DER SCllFLER GERBER 11 AT ABSOLVIERT. Paul Zsol- Jiay-Verlag, Wien, Berlin. Dieses Buch ist der Roman des jungen Menschen, der am Leben scheitert. Im Schüler regt sich die Macht der Persönlichkeit. Dies fordert den Lehrer, der das Ideal in der Normalisierung (lex, Denkens und Handelns anstrebt, zum Zweikampf heraus. Aber die Niederlage der Persönlichkeit wird Jiieht durch die Schule bestimmt. Außerhalb dieses Kampfes treten bestimmende Ereignisse auf, die Enttäuschung in der Liebe, der mangelnde Einiluß des welLklugen Vaters, der in entscheidender Stunde durch Krankheit ferngehalten wird. So ist es unmöglich, den Tod des Schülers Gerber als Schülerlragödie zu bestimmen. Der Sprung vom Fenster des Prüfungszimmers entspring! dem Pubertätsaifekt des an seiner Lebenstüchtigkeit verzweifelnden jungen Menschen. N. NATHAN ASCH: DER 22. AUGUST. Roman, 1930, Ernst Rowohlt-Verlag, Berlin. Es isL der Tag, an dem Sacco und Vanzetli hingerichtet werden. New York, da* „Heiz" der Vereinigten Staaten, nimmt dieses Ereignis, das eine ganze Well aufwühlt, sozusagen bloß durch die Schlagzeilen der Zeitungen wahr. Wie au diesem 22. August ein New Yorker Dulzendbursche aus einer Bumme In acht in deu Tag hineinlebt, so lebt ganz New York, und bezieht sein Denken und Empfunden der Dinge, die über das rein Vegetative des Lebetus und des „Leben-maciic;ns" hinausgehen, aus Sehlagzeilen, ohne sich um das zu kümmern, was unter diesen Titeln aus Balken - letlem steht. Hoffnungslose Fertigware des Menschentums, der höchstens in einem Kater das Bewußtsein von Höherem aufdämmert. Mit der grausam sachlichen SchiLderung eines solchen New Yorker Tages, der für die ganze Welt der 22. August ist, erhebt Nathan Asch furchthure Anklage. Kein Tropfen Sentimenl, kein wehes oder gar wehleidiges Wort, und doch auf jeder Seile dieser Schilderung —- Schrei, Brüllen. Ein packender Hexensabbath der Gewöhnlichkeit wird losgelassen, von einer staunenswert sicheren Hand gezogen. Schon durch sein erstes Buch ,,Als die Firma verkrachte", hat sich der junge Autor, ein Sohn des berühmten jüdischen Erzählers Schaloin Asch, in die Reihe der wenigen Beachtenswerten geschrieben; der „22. August" ist ein starker Ruck nach vorwärts, jenen Bezirken zu, wo die — noch wenigeren. Gestalter der Zeit siedeln. .S. .S.