Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Von jüdischer Kunst in Polen
- Date
- 1930-07-01
- Page
- 402 (sequence 1)
- Language
- German
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Von jüdischer Kunst in Polen Joachim Kahane Die letztens in den verschiedensten Städten Polens veranstalteten Ausstellungen der Metallplastik (Bildhauerei in Blech) von J o a c liim K a h a n e haben die Aufmerksamkeit des ganzen jüdischen Publikums auf diesen Künstler gerichtet, der wohl als einer der fähigsten und schöpferischsten aut diesem Gebiete bezeichnet werden kann. Kahanes Kunst bedeutet einerseits eine Rückkehr zu den alten, seltsamen und mit unvergleichlicher Kraft bis zum heutigen Tage wirkenden Motiven der alten jüdischen, ganz auf das Orientale gerichteten Kunst, wie wir sie noch auf den alten Friedhöfen, Synagogenbauten, Leuchtern u. dgl. bewundern können, anderseits treten in ihr auch so manche modernen. Züge auf, idie sich auf eine sehr glückliche Weise mit den alten Motiven in ein harnionisches Ganzes zusammengießen. Die Bildhauerei in Blech, die im alten Orient und dann auch im Mittelalter in der kirchlichen Kunst sehr populär war, um dann auf lange Jahrhunderte fast ganz zu verschwinden, lebt jetzt von neuem, in erster Reihe wohl als jüdische Kunst auf und beginnt die Aufmerksamkeit der kunstliebenden Welt immer mehr um sich zu konzentrieren. Es gibt schon Künstler von Weltruf auf diesem Gebiete (Marek Schwarz, übrigens auch ein polnischer Jude, sei als eklatantestes Beispiel dafür angeführt), doch gehört Kahane sicherlich zu den originellsten zwischen ihnen, schon deswegen, weil er in tiefer Einfühlung ins Wesen dieser seltsamen Kunst es vermeidet, sie durch allzu schroffe Einstellung ins moderne Leben von heute zu entweihen und viel lieber bei den alten, nur hie und da modern gefärbten Motiven verbleibt, die für diese Kunst sozusagen geschaffen sind. So sind denn auch die modernen Motive in Kahanes Kunst fast einzig und allein den immer mehr aussterbenden Resten des traditionellen jüdischen Geistes¬ und Wirtschaftslebens gewidmet und der Abstand zwischen ihnen und den sonstigen altertümlichen Motiven wird fast gar nicht bemerkbar. Beleuchtungskörper. Platten. Teller mit seltsamen Pflanzen, Tieren und Vögeln bedeckt. alte Synagogenmotive. Orientale Göttergestalten und daneben der talmudstudierende und der wandernde Jude, dies ist die A hse, um die sich die künstlerische Tätigkeit Kahanes dreht und die ihr ein ganz eigenartiges Gepräge verleiht. Für das Publikum in Polen ist Kahane bereits eine gut bekannte Künstlerpersönlichkeit, er wird sich wohl sicherlich in d'er allernächsten Zeit den Weg in die weite Welt bahnen. Arie?i Tartahower Jüdisches von der Ausstellung „Altes-Berlin" Hie/u Kunstbeilagen auf S. 565 ff. Die Ausstellung ..Altes-Berlin4', die in den Hallen am Kaiserdamm vor einigen Monaten eröffnet wurde, hat sich zur Aufgabe gestellt, die Fundamente aufzuzeigen, aus denen da> alte Berlin zur Weltstadt emporgewachsen ist. Finden sich auch in den verschiedensten Abteilungen Hinweise auf jüdische Bürger als wichtige Repräsentanten ihres Gebietes, so ist es doch dankenswert, daß die Berliner jüdische Gemeinde in einem eigenen Raum eine Reihe historisch und künstlerisch wertvoller Dokumente vereinigt hat, die würdig und eindrucksvoll ihre eigene Entwicklung dartun sollen. Die hier veröffentlichten Abbildungen können nur ein schwaches Bild von der Fülle der Ausstellungsobjekte vermitteln, die von den geistigen und innerpolitischen, religiösen und staatsbürgerlichen Strebungen, von der Verwaltung der Gemeinde, ihren Institutionen und Vereinen Zeugnis ablegen sollen. So will diese Schau das Interesse der Besucher der Ausstellung auf die kulturelle Bedeutung der Jüdischen Gemeinde lenken.