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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 360

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Erich Goldberg
Date
1930-07-01
Page
Seite 360 (sequence 1)
Language
German
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360 MENORAH ERICH GOLDBERG Gewöhnlich lassen, jüdische Maler, wenn sie Palästina darstellen, einer freudigen lyrischen Stimmung freien Lauf. Glücklich, in dem Heiligen Lande die wiedergefundene Heimat zu sehen, erblicken sie in ihm nur Frohsinn, idyllische, jugendliche Heilerkeit. Ist doch, wie Amiel behauptet, die Landschaft objektivierte Stimmung. Und hier webt richtige Erobererfreude. Um so größer, als es sich um eine doppelte Eroberung handelt: den Einzug ins Land der Väter sowohl als den ins Reich der Kunst, das bisher dem Volke Israels verschlossenes Gebiet war. Sie malen also Palästina in zarten rosa, blauen und goldenen Tönen. Kaum, daß hie und da altes Gemäuer ihren Bildern eine ernstere Note verleiht. Aber auch dann beleben sie das gezackte, verwitterte Urgestein, verjüngen es und mildern seine imposante Strenge, indem sie lustige Sonnenstrahlen auf den Zinnen und in den Spalten spielen lassen. Oder sie machen die majestätischen Ansichten vertrauter, indem sie Einzelheiten von intimem Reiz hervorzuheben: ein drolliger Eseltreiber reitet auf einem gutmütigen Langohr, Blumensträuche erglühen farbig, eine Baumgruppe erstrahlt in Frühlingspracht. So schaffen sie die Märe von einem beschwingten, tnnzenden Palästina und bereiten dadurch unserer Phantasie, die von Erinnerungen an Bibel und Evangelien genährt ist, eine wohltuende Überraschung. Beinahe könnte man über diesen lachenden Landschaften das Pathos dieser geheiligten Himmelsstriche vergessen. Und doch ist es Judäa, das Land Gottes, das Sanktuarium des Glaubens, heilig dem Großteil der Menschheit, noch heute die Zufluchtsstätte Israels. Dorthin, zu jenen ehrfurchtgebietenden Stalten, zu den antiken Wällen und den ergrauten Bergen, die den Niedergang eines Reiches erlebten, in dem Gott König war, und den Aufgang einer Religion sahen, die den Menschensohn zum Gott erhob, führt uns Erich Goldberg. Die Gegenden, denen seit Jahrhunderten die mystische Sehnsucht eines ganzen Volkes gilt — läßt er uns durchwandern. In seinen Aquarellen kann man die Ewigkeit jener palästinensischen Architektur bewundern, die sich ebenso vom Tempel wie vom Festungsbau herleitet und deren Züge jede elende Lehmhütte zeigt. Im Bilde von Tiberias, der verlräumten Stadt mit ihrem See und den schlummernden Barken, in der Landschaft von Safed, dessen kubische Häuser taub und stumm inmitten des seltsamen Grüns zu kauern scheinen, in der Ansicht von Haifa, das mit seinen skelettdürren Feigenbäumen wie ein Phantom wirkt, überall ist jene Atmosphäre festgehalten, die Orten eignet, wo die Vergangenheit leibhaftig herrscht und wo nichts, das je gewesen ist, aufhört zu sein. Uberall die geometrisch klaren Linien, überall die staubbedeckten Farben. Die Blätter aschgrün, die Luft weißlich und blaß die Berge, deren gewellte Kämme sich ruhig und ernst vom Horizont abheben. Jeder Stein klingt an Geschichte an, jeder Strauch erinnert an den feurigen Busch der Bibel. Es ist das moralische Klima eines uralten, ewigdauernden Heiligtums, das Gebete und Träumereien füllten. Diesen Eindruck erreicht Goldberg durch eine Technik sui generis. Dank einer gedämpften Farbgebung, in der das durchscheinende Weiß des Papiers eine große Rolle spielt, wirken diese Aquarelle wie Pastelle und haben einen gobelinhaften Ton. Im Verein mit der Straffheit der Zeichnung und der Festigkeit der Massen geben diese Farben den Formen jenen Anstrich von Größe und vergeistigter Schönheit, der ebenso ästhetische wie religiöse Empfindungen weckt. Von dem. im Grunde kindischen. Pastorale, das uns bei anderen Malern freut und doch zugleich auch ärgert, ist hier wenig zu merken. Alles ist ernst, geheimnisvoll, dramatisch; geraunt, geflüstert, psalmodiert. Erich Goldbergs Palästina entspricht dem Bild, das jeder Mensch, der die Heiligen Schriften gelesen hat und auf den Flügeln der Phantasie zu reisen versteht, von dem Gelobten Lande in seiner Seele trägt. Jan To^ass

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