Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Theodor Herzl
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 303 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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U M SC, Ii A U 303 mannes von allen Seilen geflissentlich in die Sphäre der Legende erhüben wird. Solche Erhebung bedeutet Herabsetzung. Und es isl, als wäre sie bewußt, Mit moderner Psychologie durchsetzt, wird sie jetzt zu einer Art jüdischer Heiligsprechung eines „reinen Toren"'. So stellt Herzl hin, wer den Satz schreibt: ..Herzl kannte die .luden nicht und die Juden kannten Herzl nicht." Herzl war die Verkörperung des Tatmenschen, des Mannes, den jeder neue Augenblick bereilfaiul. Wer ihn zur wellfremden, verinnerlichten Legendenperson stempelt, mißversteht ihn. einerlei, ob absichtlich oder unabsichtlich, zum Sehaden des Werkes, das Herzl geschaffen. Man entgöttert den Großen, indem man ihn entmenschlicht, entheiligt ihn, indem man ihn heiligspricht. E. (i. I:. GEBET GEGEN DIE JUDEN. Thüringen hat einen nationalsozialistischen Unterrichtsminister, den aus Putschen und Geriehlssälen sattsam bekannten Doktor Frick. Kino ausgiebige Pension ist ihm bereits zugesichert und nun gehl er daran, die sittlichen Grundlagen der kommenden Geschlechter zu festigen. Im Zuge solcher der Krtüehtigung der deutschen .lugend dienenden Reformen hat der Minister in den Schulen Thüringens ein „Freiheitsgebet" eingeführt, das sieh, wie er im Landlag erklärte, „gegen, artuimI volkslremde Kräfte" richtet, ..welche seit langem versuchen, die geistigen und sittlich-religiösen Grundlagen unseres deutschen Denkens und Fuhlens zu zerstören, um das deutsche Volk zu entwurzeln und so leichter zu beherrschen." Das alle Vaterunser ist wahrscheinlich nicht „betont" genug, überdies könnte der Satz ..Und erlöse uns von dem Obel" zu Mißdeutungen führen — am Kode bezieht ihn der, an den er gerichtet ist, auf Doktor Frick und seine Religion. Wir fügen zur Orientierung hinzu, daß unter den ,,arl- und volksfremden Kräften" nur die Juden gemeint sind, und ersuchen, gegen alle Juden, die 'das deutsehe Volk entwurzeln wollen, die Strenge des Gesetzes anzuwenden, ebenso wie gegen alle Fricks, die dasselbe tun. UMSCHAU für die Zeil vom 10. März bis 15. Mai 19.H0. 1) KUTSCH LAND UND ÖSTERREICH. Die jüdische Gemeinde Berlin bereitet für den Herbst eine große Ausstellung von Werken jüdischer Künstler vor. — Durch Erlaß des Rektors der Wiener Universität wurde die ..Deutsche Studentenschaft", welche satzungsgemäß Juden und Judenstämmlingen die Aufnahme verweigert, als offizielle Vertretung der neugeschaffenen SludcMitennaHonen anerkannt. —• Der Verband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens protestierte gegen die Zurücksetzung der jüdischen Konfession durch die Nichtbewilligung einer Subvention seitens der Staatsregierung gegenüber den anderen Konfessionen. Zum Vizepräsidenten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich wurde Dr. Melchior, Mitglied des Bankhauses Warbürg, gewählt. AUS ALLER WELT. Eine Moskauer Filmexpedition nach dem Jemen machte dort interessante Aufnahmen aus dem Leben der dortigen Juden. — Dem Nntionalral der Korporalionen des faszistischen Italien gehören drei jüdische Mitglieder an. In Quebec (Kanada) erhielt die jüdische Bevölkerung das Recht, eigene Schulen für den Unterricht ihrer Jugend zu gründen und zu kontrollieren. — Das Administrative Commiltee der Jewish Agencv hielt in London eine Tagung ab, bei der die Xeuansiedlung von 5000 Familien beschlossen wurde. Zu den Pessachtagen ist die alljährliche Erscheinung des Auftretens von Ritualmordgerüchten in verschiedenen Ländern Europas und Vorderasiens zu verzeichnen. EREZ ISRAEL. Die englische Regierung hat den ehemaligen Beamten des indischen Zivildienstes, Sir John Simpson, mit dem Studium der Fragen der Landansiedlung. Immigration und Erschließung betraut. Das neue Gebäude