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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 302

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Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die jüdische Einwanderung nach Palästina ...
Date
1930-05-01
Page
Seite 302 (sequence 1)
Language
German
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302 MENÜRAH UNSERE ZEIT DIE JÜDISCHE EINWANDERUNG NACH Palästina ist im Grunde genommen das Fundament des Mandates, das der britischen Regierung über dieses Land erteilt wurde, mit der ausdrücklichen Verpflichtung, alles vorzukehren und zu fördern, was dazu dienen soll, die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina zu ermöglichen. Selbstverständlich ist die freie Einwanderung produktiver jüdischer Elemente jeder Art eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Ziel, an dem England mitzuwirken verpflichtet ist. Was aber ist bisher geschehen? Die jüdische Einwanderung nach Palästina wurde schon seil einigen Jahren unter dem Vorwandc der ..beschränkten wirlschaltlichen Aufnahmefähigkeit des Landes" gedrosselt. Und jetzt hat das britische Kolonialamt (dem ganz im Gegensatz zu dem internationalen Charakter des Mandates das Mandatland Palästina untersteht, obwohl es logisch dem auswärtigen Amt unterstellt sein sollte) eine Verordnung erlassen, welche gleichbedeutend mit der Sistierung der j ü d i s c h e n I*] i n w a n d e r u n g n a c h P a l ä s 1 i n a ist. Auf Grund der Schlüsse, zu denen die Unlersuchungskonimission über die Auguslvorfälle in Palästina kam (darüber finden unsere Leser Näheres im Innern des Blattes. — Die Red.), hat die britische Regierung in der Person des Sir John Simpson einen Experten nach Palästina entsendet, der Vorschläge über die Neuregelung der Einwanderung und der Bodenkaufsmöglichkeiten erstatten soll. Bis zu dem Zeitpunkte nun. da diese Neuregelung erfolgt, hat das Kolonialami — offenbar als Konzession an die Araberdelegation, die in London weilt — die Einwanderung gesperrt und den größten Teil (leider Zionistischen Exekutive für das Halbjahr April- Oktober \m0 erteilten 3000 Einwanderungszertifikatc zurückgezogen. Mutet dieses Vorgehen schon merkwürdig au (in den Vereinigten Staaten z. B. wurde vor einigen Jahren die Eiuwnndcrungsfrage neu geregelt, jedoch ohne daß Absperrungsmaßnahmeu vorangingen), so muß entschieden darauf hingewiesen werden, daß England damit ebenso wie mit allen früheren und kommenden Bfschränkungen der jüdischen Einwanderung, die B a 1 f o u r d e k 1 a r a t i o n, zu der sich Premier Macdonald eben erst von neuem bekannt hat. im Grunde aufhebt. England aber hat das Mandat über Palästina nur unter der Bedingung erhalten, daß es das jüdische Nationalheim aufbauen hilft. Will und kann es dies aus den oder jenen Gründen nicht, dann hätte es das Mandat zurückzulegen und nicht, wie es jetzt geschieht, unter Mißachtung der international verbrieften Rechte des jüdischen Volkes, sich ein koloniales Herrschaftsgebiet zu erschleichen. Was aber soll man zu einer Jcwish Agency sagen, die zu fliesen Maßnahmen, sobald sie davon erfährt, nichts anderes vorzubringen weiß als — die Bitte, die Verordnung einige Wochen geheimzuhalten? Zu welchem Zwecke? Etwa um die jüdische öffentliche Meinung zu informieren? Das ist der Jcwish Agency nicht im Traume eingefallen. Oder um Gegenvorschläge zu machen? Auch davon hat man nichts gehört. In flieser Tatsache manifestiert sieh die völlige Ohnmacht dieser Körperschaft, die ohne Sicherheit in ihren Forderungen, ohne Vertrauen zu den jüdischen Kräften, deren unverrückbaren Willen sie auszuführen berufen wurde, scheinbar ihre Sache ganz auf die jeweilige politische Witterung gestellt hat und wartet, bis das Gewitter vorübergehl. Inzwischen aber geht dem jüdischen Volke Erez Israel verloren. THEODOR HERZL, der am 2. Mai 70 Jahre alt geworden wäre, hätte sein politisches Werk, wäre es ihm vergönnt gewesen, es selbst so weit zu führen, wie es 13 Jahre nach seinem Tode vorwärtskam, wohl schwerlich auf rein zufälliges Wohlwollen von Regierenden gestellt. Dazu war er zu wenig Galuthjude. Es ist eine eigenartige Erscheinung, d'aß Wesen und Werk dieses größten jüdischen Staats-

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