Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 290 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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290 MENORAH tet und in deren Mitte ein Kral für das Vieh. Und damit basta: Da habt ihr alles, und nun werdet Ackerbauer! Die Ochsen, Pferde, Maultiere, Pllüge und landwirtschaftlichen Geräte, die die Verwaltung vorbereitet hatte, wurden aufgeteilt. Einige Kreolen und Deutsche wurden angestellt, um die Kolonisten im Ackerbau zu unterweisen. In kurzer Zeit widerhallten die Felder von Maurizio von anfeuernden Rufen. Es war eine Augenweide zuzusehen, wie Makler, Krämer, Müßiggänger und Taugenichtse von dem Schlage eines Feitel Schadehen den Boden bearbeiteten. Aber das ging nicht so rasch und leicht, wie es sich spricht. Manche bemühten sich buchstäblich, nicht zu arbeiten, andere konnten es beim besten Willen nicht, und ein großer Teil hatte auch nicht die rechten Gespanne und Geräte, sondern meist wilde Ochsen oder Schindmähren und auseinanderfaltende Pflüge erhallen. Immerhin herrschte überall rege Tätigkeit. Die Strahlen der Morgensonne vergoldeten die Zinkdächer der auf der ebenen Fläche errichteten Häuschen, und das mit jüdischem Akzent betonte: „Wamos kastanio, wamos negro!" (Vorwärts, Brauner, vorwärts, Rappe!) schallte über die weite Pampa. Ich und mein Nachbar, wir hatten bereits ein großes Stück Feld aufgepflügt, das uns für unsern Bedarf genügend schien. Daher suchten wir gemeinsam mit der Familie Kejleß um Saalgut an. um es zu besäen. Eine Woche darauf gab uns die Verwaltung vierzig Säcke davon und schickte den deutschen Agronom namens Ruf, um uns in der Handhabung der Sämaschine zu unterweisen. Man kann sich davon einen Begriff machen, wieviel wir und die Verwaltung vom Ackerbau verstanden haben, wenn ich mitteile. daß der Agronom auf unserem Abschnitt volle achtzehn Tage gearbeitet hatte. Er besäte jeden Tag ein kleines Stück mit der Maschine, machte alle möglichen Experimente, zerlegte die Maschine und zeigte uns den Mechanismus, bis er alle vierzig Sack Weizen auf dem aufgepflügten Boden verstreut hatte, der im ganzen nicht mehr als zwölf H e kt a r groß war! Die Brüder Kejleß, Ackerbauer noch von Haus aus, spotteten über den ..Maschinisten*' und versicherten, daß ein Sack Saatgut für einen Hektar mehr als genug sei. Aber wer glaubte ihnen denn? Die „Obrigkeit" wisse, was sie tue, dachten wir! . .. Mit Stolz sahen wir auf die Saat, die dicht wie eine Bürste aufging, dichte, grüne Nadeln drangen aus der schwarzen Erde hervor, und wir waren über alle Maßen fröhlich: Seht her. das ist unsere eigene Arbeit! Das Brot winkt uns aus dem Schöße der Mutter Erdel