Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 288 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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288 MENORAH zuteil werden lassen, daß in euerem Zeitalter der gute Engel, der Baron Hirsch, leben soll, und daß ihr die ersten Pioniere und Wegbereiter für euere Zukunft sein sollet. Der Weg ist weit** — rief er begeistert—■ ,,und die Idee erhaben! Wir werden mit .A* — mit Argentinien beginnen und mit .Z' — mit Zion schließen!" „Amen!'' jubelte die Masse. „Hurrah! Es lebe Baron Hirsch! Hurrah! Es lebe der Zionsfreund Colonel Goldsmith!" Die Menge schien plötzlich wie umgewandelt. Sie packte die ausgespannte Kutsche, in der der Colonel saß, und zog sie einen halben Kilometer weit bis zum Administrationsgebäude. Der Colonel trat ins Haus ein. Draußen aber begannen die Nörgler ein furchtbares Treiben. Es entstand ein Wirbel, und die Aufruhrer riefen: Reden hat er uns gebracht! Wir sind ihrer Litaneien schon satt! Alle kennen bloß das eine Lied!" Die Masse, die den Colonel ohnehin nicht verstanden hatte, weil er ein schlechtes Deutsch und ein verballhorntes Jiddisch sprach, ging auf und ab, und die Hetzer und Gewohnheitsnörgler waren überall dabei, und die große Mehrheit stimmte ihnen gleichgültig bei. ,,Schicken wir eine Delegation zu ihm! Soll er selbst zu uns kommen! Wir wollen klare Worte!" riefen sie von allen Seiten dem Verwalter Wulf zu. Der Colonel kam. Aber in seinem Blick leuchtete nicht mehr die frühere Milde, seine Augen wurden gläsern, und seine Stimme verlor die Weiche. Der Soldat in ihm war hervorgetreten, es sprach der Herr scher zu seinen Untertanen . . . „Ich fordere Gehorsam und Schweigen von euch! Disziplin!" donnerte er hervor. ,,Ieh bin nichts mehr als ein Diener des Barons, von ihm gesandt, um den Stall zu reinigen . .. Wer nicht zufrieden ist. kann ziehen, wohin er will. Ich gebe freie Fahrt, freie Fahrt nach Nordamerika, nach Europa, nach der ganzen Welt, aber nicht nach Rußland! Diejenigen, die fort wollen, mögen sich in der Administration melden, und sie werden die Fahrkarten erhalten!... Innerhalb von zehn Tagen werde ich euer Lager zu Staub machen: die Buden und Zelte werden zerstört, und die Kolonisten werden sich auf den ihnen zugewiesenen Boden begeben. Das Magazin und alle Waren werde ich verkaufen! Schluß mit ihm. mit den Konsumbüchern und Schreibereien, und.. . Geld, Geld werde ich den Kolonisten für ihre eigene Rechnung geben" — schrie er laut aus. — ...Jeder wird nach der Zahl seiner Familienmitglieder eine Summe ausgezahlt erhallen, und er kann sich dann für Geld alles kaufen, wonach es ihn gelüstet!"