Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Die Mischehe
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 280 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912900-2912904-2925206--09127-2925381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
280 MENORAH um zu beweisen, daß es doch nicht dasselbe ist, oh ein Katholik eine Protestantin oder ein Jude eine Christin heimlet. Im ersleren Kalle verbleiben beide Teile in der christlichen Konfession, die sich nur durch eine, wenn man so sagen darf, gewisse Nuancierung voneinander unterscheiden, während es sich im letzleren Fall um vollkommen verschieden«- Religionen handelt, von denen die jüdische noch dazu einen gewissen v o 1 k s e r h a 1- \ e n (I e n Charaiktcr besitzt. Will man die Häufigkeit der Mischehen bei den Juden untersuchen, so darf man nicht übersehen, daß die Zahl der jüdischen E h e s c h 1 i e ß u n g e u überhaupt im stetigen A b n e h m e n begriffen i>l. und zwar in weitaus höherem Ausmaß als bei der nichljüdischen Bevölkerung. Die Erkliirung hiefür dürfte darin gelegen sein, daß bloß in kapitalskräftigen und proletarischen Schichten der Entschluß zur Eingehung einer Ehe leichter gefaßt wird, als beim Mittelstand. Nun sieht sich das Gros des jüdischen Mittelstandes, das aus der Vorkriegszeit an höhere Ansprüche gewohnt ist. nunmehr ,.Wirtschaft liehen Schwierigkeiten gegenüber, die mit fortschreitender kapitalistischer Entwicklung, mit Konzernbildung und Ausschaltung des freien Handels immer größer werden müssen. Kein Wunder, daß bei flieser Lage der Wille zur Ehe eine empfindliche Schwächung erfahren hat". Betrachten wir nunmehr die H ä u I i gk e i t der Mischehen bei den verschiedenen Konfessionen, so müssen wir feststellen, daß die Juden die relativ größte Zahl aufweisen, in Wien entfielen im Jahre 1919 auf K'58 rein jüdische Ehen 420 Mischeben oder in Prozenten ausgedrückt: auf 100 rein jüdische Ehen im Jahre 1919 kamen 31-4 Mischehen, bei den Nichtjud'en entfielen im »gleichen Jahre auf 100 rein christliche Ehen bloß 2*95 Mischehen. Eür das D e u t s c h e R v i e h zeigt die Relalivherechnung im Jahre 1925 auf 100 rein jüdische Ehen 48-0 Mischehen. Berücksichtigt man die Großstädte allein, so entfallen auf 100 rein jüdische Ehen in 11 a m b u r g 7-P9, B e r 1 i n 54\l, B r e s 1 a u :U-2 und Frankfurt a. M. 3(M>. In Bukarest kamen im Jahrfünft 1921 bis 1924 auf hundert rein jüdische Ehen X\'\ Mischehen. Die Häufigkeit allein läßt aber die Bedeutung des Problems nicht erkennen, wichtig ist vor allem die Kurve, welche die Entwicklung in den letzten Jahren aufweist. Kür Wien stellt sie sich laut nachfolgender Tabelle: Mischehen zwischen Juden und. Konfessionslosen. Jahr Rein indische Ehen In aks. Zahlen Prozente der rein jüdischen 1900 190:; 804 92 10-7 1904 1907 90.*{ 107 1P1 1908 1910 108:* 143 i:t-2 1911 - 1914 1015 204 20-0 191.") -1918 817 215 20-5 1919 i:i;>8 42 t) :u-4 l/ii c u r o p ä i s c h e n R u ß 1 : » n d wareu unter 100 Eheschließungen bei Juden 18-8 (19251. 25 (1920) und 27 l'1927> Mischehen. Wir sehen also ein r e g e 1 m ä ß i g e s und e r s c h r e c k e n d e s A n s t e i g e n d e r M i s c h e h e n. In den zwanzig Jahren 1909 bis 1919 hat sich in W i e n ihre Zahl relativ v e r d r e i f a c h t. so daß im Jahre 1919 bereits fast ein Drittel aller von Juden überhaupt geschlossenen Ehen Mischehen waren, während die jüdische Bevölkerung hier in den Jahren 1900 bis 1923 von 140.920 auf 201.5111 anwuchs, also um bloß 37*15'< zunahm. In 1) o n l s c h l a n d isl in den letzten 25 Jahren die Zahl der jüdischen Eheschließungen um ein Viertel kleiner geworden, trotzdem hat sich die Zahl der Mischehen im gleichen Zeitraum v e r d o p p e l t. In B e r- 1 i n wuchs die Ziffer der Mischehen von 1870 bis 1924 um 80%. in K r a n k f u r t a. M. um 150%. in Hamburg von 1911 bis 1924 um 250%, in Breslau um 250%. Dabei gibt uns die Statistik keineswegs ein vollständiges Bild der Mischehen wieder, weil nur jene Elleschließenden berücksichtig! er-