Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Felix Nussbaum
- Date
- 1930-05-01
- Page
- 279 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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FELIX NUSSBAUM Felix Nußbaum, einer von den ganz, jungen jüdischen Künstlern. Meislerschüler noch der Berliner Akademie, hat mit seinen Bildern schon mehrmals die Beachtung der ÖHVntliclikeil gefunden. Ein feines, heiteres Malerlalent gibt sich hier kund, ein wenig spielerisch und skurril bisweilen und ins Kindlich- Groteske gehend (besonders in seinen humorvollen Bildern vom Sportleben und von den Alltäglichkeiten der Straße), dabei von einer ungekünstelten Einfachheit und sympathischen Geradheit. Wenn auch noch nichl frei von Vorbildern (vor allem van Goghsi. hat dieses junge Talent doch schon eigenen Glanz und verfügt über beachtliche zeichnerische (iahen. Studienreisen führten Nußbaum \W2\) nach Belgien und nach Südfrankreich, brachten eine glückliche Auflockerung der Farben und hübsche Slädlebilder des Südens. Kcizvoll eine Serie von Fischer- und Strandbildern, darunter eine Reihe Schwarz-Weiß- Blälter (Netzflieker und Boote) von versonnener zarter Stimmung. .Jüdische Motive legten den Künstler zu einer jüdischen Mappe an. die in graphischen Blättern Stimmungsbilder der jüdischen Fesle und jüdische Typen zeigt. In der Frühzeil hat er auch Karl Fmil Franzos' ..Pojaz" illustriert und mit feinem Verständnis das Leben dieses armen Dulders des osljüdischeii Ghettos wiedergegeben. Vor einigen Jahren entstand ein Bild ..Inneres der Synagoge in Osnabrück"', ein interessanter Versuch, den westeuropäischen .luden in der Synagoge darzustellen. Hin Motiv, das in diesem Bild nicht gelöst i^j. aber Anregung zur Arbeil auf einem Gebiete moderner jüdischer Malerei gibt, das bisher wenig beachtet wurde. Fs bleibt eine prohlcmreiche Aufgabe, die Psyche des w e s t e u r opäi sehen Juden einmal nichl in iudividiielbporträtistist hen Köpfen, sondern in umfassenden, ins Große und Allgemeine gebenden Typen zu gestalten. Will P l c /J DIE MISCHEHE Line Gefahr für das jüdische Volk \ on Leo G o 1 d h a m in e r Die .Juden wurden durch die wirtschaftlichen Funktionen, die sie in den Galuthländern im Laufe ihrer geschichtlichen Entwicklung auszuüben genöligt waren, allmählich zu einem großstädtischen Volke, das alle jene Eigenschaften und Phänomene aufzuweisen hat. welche dem Großstädter eigen sind, verstärkt durch die Sonderheilen, die hei den Juden allein angelroffen werden: Bewußt gewollte oder durch die zunehmende Verbreitung von venerischen Erkrankungen bewirkte Einschränkung des Kinderreichlunis. Zunahme der Ehelosigkeit, beziehungsweise Abnahme der Eheschließungen, welche durch die allgemeine Not der Zeit und durch die gesteigerten Lebensansprüche hervorgerufen wird. ansteigender Abfall vom Judentum, Zunahme der Mischehen und im Gefolge derselben Taufe von zahlreichen Kindern, um ihnen den Lebensweg zu erleichtern, Überwiegen der Sterbefälle über die Geburlenzahl, so daß ein natürlicher Zuwachs nicht mehr vorhanden ist. Es ist klar, daß bei diesem fortschreitenden Abbröi klungsprozeß jede die jüdische Gemeinschaft auflösende Bewegung an sich schon Bedeutung genug für jeden haben muß. der sich zum jüdischen Volke positiv stellt, um so mehr, wenn die Tendenz zur Zunahme besteht. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, ist daher die Mischehe unter den .luden nicht allein ihrer absoluten Zahl nach zu belrachlen. sondern vor allem ihrer Tendenz und Wirkung nach, wobei schon gleich hier gesagt werden muß. daß es absolut keine Beruhigung bieten kann, wenn sieh nach der Berechnungsari der einen in dem letzten Vierteljahrhunrlert die Mischehen nicht ver- \icrlacht. sondern bloß verdoppelt haben luler daß nach der Meinung anderer die Mischehe auch bei anderen Konfessionen vorkommt, denn es bedarf nicht vieler Worte.