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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Abrahams Zeiten
Date
1930-05-01
Page
Seite 216 (sequence 10)
Language
German
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216 MENORAH rend der untere den ganzen übrigen Teil des Platzes einnahm. Außerhalb der Türe des Heiligtums nun war ein Ziegelaltar aufgestellt worden, und innerhalb, das heißt an der Stirnwand des kleinen Vorraumes stand ein breiter Sockel für eine Kultstatue. Diese Änderungen bedeuten nichts anderes als eine Änderung des Rituals: das Geheimnis war entschleiert worden, jetzt konnte eine Unmenge Volks am Gottesdienst teilnehmen, sowohl von der oberen wie von der unteren Terrasse aus. das Opfer erfolgte in seiner Gegenwart, und hinter dem Altar und den Prieslern war durch die geöffnete Türe auch das goldglänzende Bild der Gottheit zu sehen, wie es sich vom Halbdunkel des Hauses abhob. Die biblische Geschichte von den drei Kindern muß keinen geradezu historischen Inhalt haben, aber jede Geschichte, sei sie noch so phantastisch, braucht unbedingt einen lebenswahren Hintergrund, ein gewisses Lokalkolorit, wenn sie sich den Hörern oder Lesern empfehlen soll. Der Sinn der Geschichte hängt daran, daß König Nebukadnezar durch eine Neuerung Leid über die .luden brachte, die bis dahin friedlich in Babylon gelebt hatten. Das Aufstellen der Statue konnte die Neuerung nicht sein — jeder König von Babylon hatte eine aufgestellt. Die Neuerung lag offenbar darin, daß das Volk selbst am Kult teilnehmen sollte, und zwar vermutlich das ganze Volk ohne Ausnahme, während bisher das Ritual entweder im geheimen von Priestern allein ausgeübt worden war. oder höchstens im Beisein solcher Laien, die selbst zu opfern w ü n s c h t e n. Was uns die Bibel hierüber erzählt, ist eben gerade jene Neuerung, wie sie uns die Ruinen des Tempels von Enunmach bestätigen — es ist die Ersetzung des Geheimrituals durch den Gottesdienst der Gemeinde. Was ich hier ausgesprochen habe, ist gewiß eine Hypothese; aber sie wird gestützt durch jenes Element in der Bibelerzählung, das a priori die größte Wahrscheinlichkeit für sich hat, nämlich das Lokalkolorit. Eine andere bedeutsame Bibelerzählung, die von unseren Grabungen berührt wird, ist die von der Sintflut. Lange Zeit hindurch nahm man an, daß die Erzählung in der Genesis entweder auf der babylonischen oder sumerischen Version beruht, oder daß alle drei auf dieselbe Quelle zurückgehen. Vielleicht haben die Bibelforscher aus diesem Grunde gern die ganze Geschichte in das Reich der Mythe verwiesen. Grade der entgegengesetzte Schluß aber ist der naheliegendere. Die sumerische Erzählung reicht nicht an die hebräische heran, aber sie enthält deutlich einen historischen Untergrund. Zunächst einmal stimmen alle Einzelheiten mit den örtlichen Be-

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