Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 213

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Abrahams Zeiten
Date
1930-05-01
Page
Seite 213 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2912821-2912900-2912904-2925177--09013-2925314
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ABRAHAMS ZEITEN 213 sprang weit genug vor, um die Galerie noch zu decken, sonst aber war der Hol' gegen den Himmel zu olfen und lieferte auch alles Lieht und alle Luft für die Zimmer. Die Räume im Erdgeschoß hallen keine Fenster, bloß Türen, die gleichzeitig als Ventilation dienten: indessen ist die Sonne Mesopotamiens so stark, daß sie wohl gentigten. Der eine Kaum diente als Empfangszimmer für Gäste; der zweite mit olfener Feuerst eile, für Holz oder Holzkohle, mil Backofen und Mahlsleinen, war die Küche; ein dritter Raum war das Dienerzimmer. Guter der Treppe befand sich die Toilette. Manchmal gab es auch einen Haustempel. Unter dem Ziegelboden eines dieser Zimmer lag ein großer gewölbter Kellerraum — die Reerdigungsstätte der Hausbewohner. Im oberen Geschoß waren die Schlafzimmer und eigentlichen Wohnräume: auch diese mündeten alle in den Hof, aber ob sie Fenster hatten, ist nicht sicher zu bestimmen, du die Mauern zu schlecht erhalten sind. Wie es scheint, waren sie ebenso wenig bemalt wie die unteren, sondern auch nur beworfen und geweißt. Über Schmuck und Möbel im Hause1 wissen wir sein* wenig, denn aus den Ruinen ist alles verschwunden. Wir können diese Dinge nur aus gemeißelten Reliefs, aus Tonmodellen und aus schriftlichen Schilderungen erschließen. Es gab Tische und Sessel mit Querspreizen und geschnitzten Armlehnen, Bettgeshile mit Matratzen aus gespannten Seilen oder Binsenlleehtwerk. Der hohe Kopfteil der Betten war oft mit Schnitzereien verziert, die Blumen. Vögel und Götter darstellten. Die Kleider waren in Truhen aus Ton oder Holz verwahrt, und es gab eine Unmenge von Koehutensilien und Tischgeräten aus Von. Kupfer, und in reichen Häusern aus Silber. Die winzigen Tonfigürehen. (Witter und ihre Anbeter -darstellend. von denen so viele aus dieser Periode gefunden werden, sind vermutlich zur Ausschmückung der Ilaustempcl verwendet worden, wohl auch zum Gebrauch. Es sind die Teraphim, grade solche Hausgötter, wie sie Rachel in den Kameltaschen barg, als sie Gharan verließ, und wie sie1 später unter der Eiche in Mamreh begraben wurden, uls die Übersiedlung auch einen anderen Kult mit sich brachte. In solchen Häusern von zwölf bis vierzehn Zimmern ließ es sich recht behaglich und kultiviert leben die materielle Existenz stimmte gut zu dem hochentwickelten sozialen und Geistesleben der damaligen Zeit. Was immer der Hausvater für Geschäft treiben mochte, es wurde sicher nach einem kunstvollen System von Handelsgesetzen und Präzedenzfällen geführt. Die Hausmutter genoß eine Unabhängigkeit, wie sie niemals später im Orient angelrotfen wird: oft war sie selbständig in einem Handelszweige tätig. Die Söhne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.