Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Henri Hertz: L'enlévement sans amant [Rezension]
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 203 (sequence 2)
- Language
- German
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BIBLIOGRAPHIE 203 Augen, wio verschieden die äußeren Ereignisse von ihrem inneren Widerhall sind, und wie gering der Kontakt zwischen Mensch und Mensch ist. auch wenn sie sieh sehr nahestehen. Die Macht, die gegen jene Einsamkeit und allmähliche Versteinerung der Seele ankämpft, gewissermaßen das (iegenlhenia dieses direkt konlrapunktisch gebauten Werkes - ist die Phantasie. Sie entführt reibungslos und ohne neue Kellen zu schmieden in lerne Länder und fremde Welten, bahnt Wege in die Seele der Nächsten und Fern- >|eu und bezieht auch die widerspenstigsten Dinge in den Strom des eigenen Lebens. Niehl nur Frau Marie, die Heldin des Romans, auch jeder Leser erfährt es. Denn von der empfindungsreichen Einbildungskraft llertzens berührt erscheinen auch die banalsten (iegenstäiule, wenn er von ihnen spricht, neu und sinnvoll. Frau Marie — man merkt es bald — ist, was man ein Dichtergemüt nennt -- ein Mensch, in dem die kindliehe Lust zum Fabulieren nicht ganz erstickt ist und das Werk eines Dichters ist auch .dieses wundervolle Buch. Das Dichten also, dessen befreiende Kraft wir im Roman wallen sehen, bewährt sich an ihm selbst als eine der wenigen Möglichkeiten, das Leben zu überwinden. Denn nur indem es unser Empfinden beschwingter. intensiver, im eigentlichen Sinne dichter macht, entläßt uns dieses sublime Diclilerbuch mit der Einsicht in eine immanente Tragödie unseres Daseins und doch mit dem beglückenden (iefühl von ihr erlöst zu sein, von ihr jeweils erlöst werden zu können. Aurclie Göttlich. WILHELM FILCIINER: OM MANI PÄD ME ULM. Meine China- und Tihetexpedilion 1925/2S. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Ein spannendes Abenleurerbuch mit vielen anschaulichen Abbildungen über das seltsame Volk im Herzen Asiens, ein Work, da^ zugleich wertvolle Einblicke vermittelt in die gärende Well des neuen Chinas. SCH ALOM ASCI l: WARSCMAF. Paul Zsolnay- Verlag, Wien-Berlin. Aus ..Petersburg", aus der russifixierten jüdischen (iroßbourgeoisie kommt der junge Mirkin. Inier dem Drucke grenzenloser Vereinsamung zufolge -der jede Erinnerung an sein Judentum ausschallenden Erziehung suehl er Anschluß an die jüdische (iemeinsrhalt. In .,Warschau" trifft er mit der Masse zusammen. Hier in dieser Stadl lebt ein Volk im Sumpfe einer zurückgebliebenen Entwicklung, in dem es sich vermehrt und wächst. Niemand denkt daran, es herauszuziehen und an die Entwicklung der Menschheit anzuschließen, die im rasanten Tempo vorwärts schreitet. Nur dem einzelnen gelingt es. individuell sich loszureißen, den Anschluß zu linden. Diese Masse zunächst gesund zu machen und an die arbeitende produktive Welt anzugliedern, soll Mirkins Ziel sein. In von Leidenschaft erfüllten Debatten mit Zionislen, Assimilanten. Frommen und Aufgeklärten, Reaktionären und Sozialrevolutionären entrollt sich Einfang und Tiefe des Problems und der unerschütterliche daube an die Erlösung des ewigen Volkes: das ..Wie" wird zur Nebensache. So tritt auch in der lebensvollen Bild- Uralt des Dichters das Problem in den Hintergrund, die jüdische Masse wird zum Helden des Romanes: in zahllosen Einzelschieksalen, in den Hinterhöfen, zusammengepfercht in den kleinen Zimmern, in den Spinnsluben der Handweber. im Kontor des Textiii industriellen, in der Schul' der Chassidim und in der Schule des aufklärerischen Lehrers — überall der jüdische Mensch - der arbeitet, lernt, leidet, als Revolutionär für die Befreiung der Juden, der Arbeiterklasse, der Menschheit, seine Brust den Kugeln biete!. End vor ihnen f^TT-fW A R C^lJIplT'Grüßtemternatto^ X 1 lJ_Vx_/vI\ v3V^jnLJ.l X Perücken, Scheitel und Transformationen Wien, I., Kärntnerring 6, gegenüber dein Hotel Bristol liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmen orthodoxen Damen aller Länder Perücken .....Spezialität: Brautscheitel, diese werden der Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacht <