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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 199

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Der Schutz der Religion
Date
1930-03-01
Page
Seite 199 (sequence 2)
Language
German
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UNSERE ZEIT sie sich in der Religionsl rage einer starken politischen Offensive gegenübersehen, die Unwissenheit Kuropas dazu benutzen zu können glauben, daß sie für ihre Behauptung, es gebe keine l'nlerdrückung der Religionen in Rußland, mil jüdischen Zeugnissen operieren. ..Aucli hier geschieht, was oll geschah" - das europäische Gewissen ist ein Objekt politischen Schachers: vor zehn Jahren hat es sich nicht gerührt, als die furchtbarsten Judenmetzeleien der Weltgeschichte begangen wurden, weil die Politik Furopas davon nichts wissen wollte; und bis vor kurzem schwieg es zu den Anlireligionsgreueln in Rutfland, weil die politische Geschüftskon juuktur sich als stärker erwies. Die europäischen Juden aber haben nichts gelernt und nichts vergessen: sie träumen weiter den Traum vom europäischen (iew issen. Thomas G. JVlasarylz., vor SO Jahren als Sohn eines gräflichen Kutschers in Mähren geboren, steht heute an der Spitze des tschechoslowakischen Nationalstaales, weit über dessen Grenzen hinaus gekannt, geachtet, verehrt. Das für Frörlerungen an Stammtischen so beliebte Themti ..vom Kulscherssohn zum Staatsoberhaupt"' isl belanglos; denn der Geist, nicht der Zufall der Geburt ist das Wesentliche. Aber ein anderes ist in diesem Falle hervorzuheben: Thomas Masaryk war fast bis zu seinem (>.'). Lebensjahre in seinem Volke verlacht, beiseite geschoben, lange Zeit geradezu geächtet. Der Mann, der mit philosophischen Schritten (Mine Studie über das Wesen des Selbstmordes ist noch heute lesenswert l begonnen halte, baute auch die Idee der Freiheit seine-. Volkes geradezu philosophisch aui. Das Phantom des P a n s l a w i s m u s, das dem nichl nur Menschen, sondern auch das Menschentum mordenden Zarismus zum Vorwand für .seine Fxpansionspolitik diente, erkannte Masaryk, als erster und einziger, als Gefahr für sein Volk. Man bekämpfte, bespöttelte, begeiferte ihn. Man wollte ihn steinigen, als er für den eines Ritualmordes beschuldigten Juden Leopold llilsner eintrat. Die Verblendung seines eigenen Volkes ging so weil, dal.» es nichl erkannte, wie sehr die ganze 1 ielzkampagne für den Ritualmord eigentlich Wasser auf die politische Mühle der habsburgischen Regierungsmelhoden war. und Masaryk wurde bespien, verfolgt, weil er ~— was ihm unvergessen bleiben wird — für llilsner und damil für das tschechische. Volk in die Schranken trat. Keine Verkeil nimg. keine Verfolgung beugte ihn und als im Weltkrieg der Zusammenbruch des llabsburgersy stems. den er längst vorausgesehen hatte, unvermeidlich wurde. da sicherte Masaryk seinem Volke die Freiheil durch die ..philosophischen Ideen", die er schon lange vorher entworfen halle: durch die Verbindung mil der reinen D e m o k r a l i e, in der nur die Freiheit eines Volkes gedeihen kann. Ihm hat das tschechische Volk zu verdanken, dal.) es nicht auf dem Irrweg des Panslawismus verbind), sondern auf der Grundlage echler Demokratie seinen Staat bildete. Fnd sie ist der Leitgedanke des Mannes, der seither an der Spitze dieses jungen Staates sieht. Masaryks klarer und weiter Geist drückt dem Wesen des Staates, der ihm so viel verdankt, den Stempel auf. Die Tschechoslowakei, die von Masaryks Denken gelernt hat. ist überraschend schnell in die führende Reihe der Kullurstaalen gerückt. Solange Mosaryks Geist in ihr lebendig isl. wird sie mit bestem europäischen Wesen verknüpft sein. Mit seinem Volke feiern diesen wahrhaften Freiheitsdenker, der seine Gedanken in die Wirklichkeil umsetzen konnte, alle l^reunm1 der wahren Freiheil, die nichl nur äuÜere. sondern viel, viel mehr innere Freiheil ist. E.G. F. DFR MALFR HFXR1K GOTTL1R. gebürtig aus Krakau, einer der begabtesten Künstler Polens, nennt seine Kunst ,.Das Malen von Innen ". Fr verschiebt seine Wirklichkeil leicht auf das Gebiet der Metaphysik, doch ohne Schaden für den malerischen Wert, der sich in der geschlossenen Gediegenheit der Komposition und der kultivierten Farbengebung bewährt fs. Kunslbeil.. S. IKSi.

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