Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Lord Arthur James Balfour
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 198 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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198 M ENOR A II UNSERE ZEIT LORD ARTHUR JAMES BALFOUR \ In der Verbindung vom Gelehrten und vom Staatsinnim erreichte die englische Kultur höchste ideelle uind praktische Werte. Die englische Bildung, an 1 der (leistesweit der Antike aufbauend. Tand hier die Brücke /.wischen dem abstrakten Reich der Idee, des Geistes, der Wissenschaft und dem unmittelbaren praktischen Dasein des politischen Alltags. Zu den prominentesten Vertretern dieser Geislesaii zählte Arthur Baltour, Neffe des Marquis of Salisbury. jahrelang Führer des Unterhauses, Premier und als Minister des Auswärtigen Autor der Kundgebung, die für alle Zeiten seinen Namen —- Ballour-Deklaration — tragen wird. Der Einfluß Balfoms auf die britische Politik in entscheidenden Dingen war unleugbar eminent. Sein ganzes geistiges Schallen und sein Wirken als Politiker war nicht ohne Vorsalz, geleitel von Intellekt und kühler verslandesmäßiger Frwägung. Und «loch verneigt er sich vor dem Ewigen. Unbekannten. Seine religionsphilosophischen Schriften bemühen sich, die Wissenschaft und den Versland in das begrenzte Strombett zurückzudümmen. das ihnen zukommt, und das Tor in das Reich des Ahnens und des Glaubens zu öfTnen. War es der Gleichklang vom Gelehrten und vom Staatsinaiin. der Chaim Weizmann das Denken Ballours für das staatspolilische Ideal des Zionismus erschloß? War es die Ahnung von der ewigen Sehnsucht des ..ewigen Volkes'' nach der Heimat im Lande der Bibel? (deich ist es. Die Großtat englischer Staatskunst war von Ballour in vorbildlicher Weise mit den Interessen des britischen Wellreiches in Finklang gebracht worden. Wird es nun Schicksalsfügung sein, mit dem Manne, der dem jüdischen Volke das verheißungsvolle Versprechen gab. durch die nach dem Bericht der Untersuchungskommission zu gewärtigende Interpretation der .Balt'our-Deklaration auch die Hoffnung auf die Verwirklichung des Zieles des Zionismus verlieren zu müssen? A'. //. Der Schutz der Religion Seit einiger Zeit gibt es in ganz Kuropa eine politische Offensive gegen Sowjetrußland unter der Parole Schulz der Religion". Um die Proteste möglichst wirksam zu machen, vereinigen sich allerorten die Vertreter der verschiedenen Konfessionen und erheben Anklage gegen die Unterdrückung der Religion durch die bolschewistischen Machthaber Rußlands. Fs berührt merkwürdig, daß diese Fnlrüstung so spät erfolgt. Denn seit fast zehn Jahren wird in Sowjetrußland der Kampf gegen dieReligion geführt, allerdings bisher Hingegen die j ü (I i s c h e Religion. Seit langem sind Schließungen von Synagogen. Verfolgungen von Rabbinern. Gefängnisstrafen für die Abhaltung von Minjamim. Deportationen von Religionslehrern in Sowjetrußland auf der Tagesordnung. Allerdings handelte es sich bisher immer um die jüdische Religion und alle Greuel, die von den Bolschewiken in den letzten Jahren im Namen der ..Freiheit des menschliehen Denkens" gegen Juden und Judentum verübt wurden, fanden keinerlei Beachtung in demselben Kuropa. das jetzt so plötzlich seine Empörung entdeckt hat. Als fast zehn Jahre lang mit Hilfe des jüdischen Abschaums laus ihm besteht die sogenannte ..Jewsekzia". die jetzt, offenbar weil es die bolschewistischen Machthaber vor dieser Hefe ekelt, abgeschafft werden soll) die jüdische Religion besudelt, ihre. Stätten geschändet, ihre Angehörigen verfolgt wurden, schwieg Kuropa; das Wenige, was über diesen Religiouskrieg gesprochen wurde, kam durch einige wenig einflußreiche jüdische Kreise in die Öffentlichkeit, aber nirgends erhob sich auch nur ein Bruchteil jenes Prolestslurmes. der jetzt durch die Well gehl, ja nicht einmal die Juden in Mittel- und Westeuropa hatten genug politische Einsicht, um eine systematische Protestbewegung einzuleiten. So konnte es kommen, daß die Sowjetmachthaber heute, da