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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Juden sollen Bauern werden
Date
1930-03-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 197 erhielt jede1 Familie ein Paar. Ich — einen schwarzen und weißen und mein Nachbar — einen scheckigen und einen dunkelbrauen. Beide Paare waren mit neuen Stricken aneinandergebunden. Dazu bekamen wir noch zwei kleine Handpflüge mit allen nötigen Arbeitsgeräten, wie ein Holzjoch, weiche Riemen, einen Ochsenziemer, wie auch Zügel für den ..rechten'' Ochsen .. . Unter halb neidischen, halb bedauernden Blicken der im Lager Gebliebenen zogen wir mit unserer reichen Beute nach Hause. Unsere Frauen, die Kolonistinnen, hatten ihre Freude au den Ochsen, die vor unseren Hütten grasten. Am meisten gefiel ihnen der Weiße, er war gut und sanft wie eine Taube1, weshalb sie ihn „paloma" (Taube) nannten. Die Frauen streichelten ihn und sprachen zu ihm. und die Kinder spiegellen sich in dem metallenen Glanz der Pflugscharen. Am trüben Morgen kam ein Reiler an unsere Hütte, es war der alle Mureto, den die Administration zur Unterweisung der ..KolonislenrekruteiV' aufgenommen halte. In Onkelchens" Bart glitzerten die Tautropfen wie Flitter. Ein süßes Lächeln lag auf seinem gefurchten, braunen Gesicht, als er uns ..Guten Morgen" wünschte. Wir tranken gemeinsam ..male" und sahen aufmerksam zu, wie der Kreole die Ochsen spannte, den Pllug handhabte und die Ochsen antrieb. Wir gingen alle mit, selbst die dreijährige Kleine schritt dem Pllug nach, der wie auf Schnee über dem Grase dahinglitt. Wer kann unsere Freude schildern, als wir unter Anleitung unseres Onkelchens zum erstenmal den Pllug führten. Schwarze Erdschollen legten sich in geraden Linien, und Irischer Erdgeruch erfüllte die Luft. ..Brave Jungen!" sagte der Kreole lobend. ..Sprecht wenigstens den Segen, ihr Heiden!"' sagte meine Frau, und Tränen der Freude glänzten in ihren Augen. „Bei Gott, ich hab's vergessen!" entschuldigte sieh der naive Wilenski. ,,Gebe Gott, daß wir hier eine sichere Heimat fänden und nichts mehr von Pogromen wüßten!" sagle die zarte Frau Wilenski andächtig und blickte zum Himmel auf. Eine heilige Verzückung umfing uns. und ein Schauer durchfuhr unsere Glieder. Von allen Lippen erklang ein spontanes, lautes „Amen ". Onkelchen nahm sein Mittagmahl ein, sattelte sein Pferd und verabschiedete sich lächelnd von uns: „Auf Wiedersehen, ihr guten Jungen! Also morgen!" (Fortsetzung folgt.)

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