Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Das Wunder
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 191 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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i) a s w r x i) k n Dorfptalz kam. erblickte er die Großmutter mit der llolaj vor dein Laden auf derselben Stelle, wo er sie heiin Abschied verlassen halle. Und der Großvater rechnete: eine Stunde nach Zälezlilz. eine Stunde zurück, eine gute Stunde habe ich mich dort aufgehalten. Die droh mutier hat sich mit der llolaj gründlich auslra Ischen können. Als die Großmutter den Großvater erblickte, verschwand sie wie der Blitz im Hause; auch die llolaj wartete sein Kommen nicht ab. Der Großvater halte schon ein scharfes Wort wegen des dreistündigen Tratsches auf der Zunge, als er jedoch die Großmutter ansah, erstarb ihm das Wort auf den Lippen. Lrregl stand sie mitten im Slübchen und hielt einen otTenen Brief in der Hand. Kaum halle er die Tür geöffnet, rief sie. daß sich die Stimmt4 überschlug: ..Aus dem Kauf wird nichts: der Mensch, der das Haus kaufen wollte, hat kein Geld/" Dem Großvater lief es kalt über den Bücken: seine Knie zitterten. Siehe, ein Wunder! Der alle Kazda halte doch recht! Gott hatte das Gebet erhört und das Wunder vollbracht. Die Großmutter erzählte überstürzt: ..Die Kinde1!' sehreiben, daß (ha* Mensch sie betrogen hat. daß er kein Geld hat, und sie müßten jetzt dazu schauen, um einen neuen Käufer zu finden.'" Der Großvater Blickte die Großmutter an. die Großmutter den Großvater, und einer las in den Augen des andern die gleichen Gedanken. Diesen Gedanken gab endlich der Großvater Ausdruck und platzte heraus: ..Nichts werden sie1 suchen! Ich will keinen Käufer! Ks wird nicht übersiedelt! Ich schreibe ihnen sofort!!" ..Schreib" nur. sag's ihnen nur recht," rief die Großmutter eifrig. ..schreib' ihnen, wer gehorchen soll, die Litern den Kindern oder die Kinder den Ellern!" ..Alles werd' ich ihnen schreiben," versprach der Großvater, ..und wir werden weiter unser Geschäft betreiben, (deich morgen fahr' ich einkaufen, und übermorgen wird -der Laden aufgemacht. Warum sohlen wir's nicht tun? Wie all bin ich'? Zweiunrtachlzig? Lud du"? Sechsundsiebzig! Ist das schon ein Aller? Zehn Jahre werden wir das Geschäft führen, zwanzig Jahre werden wir's führen: die Kinder sollen sich auf den Kopf stellen." Andächtig faltete die Großmutter die Hände: ..Gott sei Lob. mir ist's, als wär' ich von neuem auf die Well gekommen." Und der Großvater, der die Großmutter förmlich verjüngt, mit geröteten Wangen und strahlenden Augen vor sich sah. sprach: .,Mädel, du bist verflixt hübsch; icdi hab' damals doch recht getan, als ich dich heiratete." Deutsch von Anna Aurcdnicck