Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Die Welt des Maasse-Buches [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- 101 (sequence 1)
- Language
- German
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DIE WELT D1CS MAASSE-BUGHES. Allerlei Geschichten . . . Nach der Ausgabe des Maasse-Buches. Amsterdam 1723, bearbeitet von B e r I Ii a P a p j> e n h e i m. Mil einem Geleitwort v. I. Flbogen herausgegeben vom ,)üd. Frauenbund. 1929. J. KaufTmann Verlag. Frankfurt a. M. Kein Buch ist dieses allncue Gebilde, das Hertha Pappenheim uns in nilneuer Sprache soeben wieder zugänglich macht: es ist eine Welt. Well unserer Urahnen und besonders unserer IJrahnfrauen. Keine stille Welt", auf die der Mond von Gotles Himmel hoch herabsieht, wie etwa im deutschen Abendliede. Sondern eine fruchtbare und lebendige, aller Missetaten wie mancher lugenden volle Welt: eine Well, da man stiehlt und raubt. Unzucht treibt und an den Galgen kommt last mehr eine Hölle denn eine Well zu nennen, wie es manchmal scheinen könnte. Kein Wunder; denn wenn auch die Druckvorlage dieses Buches, wie der Titel angibt, aus dem Jahre 172M stammt, seinen eigentlichen Ursprung und die Epoche seiner weitesten Verbreitung müssen wir viel trüber ansetzen. Es ist die Zeit des Großen Krieges in Deutschland, da in deutschen ,1 udenhäuser n dies Buch gelesen wurde, etwa an den langen Schabbo.siiachmiltagen im Sommer auf der Bank vor der Türe, oder auch an den langen Freitagabenden im Winter, wenn die Schabbosleuchter auf dem Tische standen und die ..Krillerbseif verspeist wurden. Da ruhten die lleiLügen Hände der Frau, für welche in erster Reihe dies Buch und seine Gesellen Kaw Ilajoschor. Simchas Nefesch und wie sie alle heißen bestimmt waren. In diesen Blättern fand die jüdische Hausmutter alles wieder, was sie in den sechs Werktagen draußen im Leben gequält und gefreut hatte: Hochzeil und Geburt. Krankheit und Tod. Bedrückung der Juden und endliehe Befreiung. Hier fand sie mehr, als draußen lebte: hier wurden die Bösen vom Geschick ereilt, wenn sie noch so prächtig gekleidet waren, und der bescheidene Fromme ward im Himmel neben den großen Lehrer gesetzt. Ja, manchmal scheint es, als werde im Mnasse-Buche, in einer Art von Geislesrevolution, gerade das Verdienst der sonst Bescheidenen und Niedrigen hervorgehoben: der Frauen c.Fwa, oder der Fngelehrlen. des Amaarez. Geschichten von klugen Frauen und einfältigen Männern scheinen besonders beliebt, aber auch die heimlichen Sünden der Würdenträger, der Talmide Ohachomiim. werden mit einer gewissen gutmütigen Schadenfreude gebucht. Neben das Maschal. das Märehen, das aus allen Quellen der Weltliteratur schöpft da linden wir etwa die berühmte „Matrone, von Ephesus" in jüdischer Gewandung tritt der Musar, die moralische Legende aus Talmud und Midi aseh. Das ganze jüdische Jahr steht vor uns auf in seinem Wechsel von Alltag und Festlag; eingebettet in die Welt des Juden: Bedrückung und Anklage von außen, festgelegte Lebensform im Innern. Erzählt werden alle diese Geschichten im ..Mamme-Loschen". dem alten Jüdisch-Deutschen. das noch manche folkloristische Ausbeute bietet. Bertha Pappenheim hat mit liebevoller Treue das Sprachgewand der jüdisch-deutschen Originalfassung in deutscher Umschreibung erhalten; es ist in ihrem arbeitsreichen und verdienstvollen Leben eines ihrer größten Verdienste, daß sie uns diesen verschütteten Brunnen unserer Urmüller wieder erschlossen hat. Denn auch hier quellen noch heut und für unsre durstigen Lippen lebendige Wasser. Bath-Hillel. DER UMSTURZ TN DEUTSCHLAND. In der Serie der Nachkricgsliteratur ragen die mit Ernst und Verantwortung verölTenlliehlen Bücher des M a 1 i k-V e r 1 a g e s