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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Leo Michelson
Date
1930-01-01
Page
97 (sequence 1)
Language
German
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LEO MICHELSON Leo Micbelson. 1887 in Riga geboren, isl nach dem Besuch der Petersburger Akademie und anatomischen und anderen Studien an der l'niversität Dorpat früh nach Deutschland gekommen und gehört zu den ausgeprägten dänischen Talenten. Dabei ist er im Farbigen von den inneren Tendenzen des Expressionismus bestimmt immer einer Vorliebe, und Getuhlsverbundenheil für den Osten treu geblieben. Nach bedeutsamen, reiche Entwicklung bringenden Sludicnfahrlen durch Italien. Frankreich. Spanien hal er. of[ nacl) dem Baltikum zurückgekehrt. Fand und Menschen seiner Heimat gemall mit dem Schleier von Melancholie und leiser Schwere und zugleich mit der eindringlichen und zupackenden Tiefe jener Welt. Die zweite Komponente seiner Kunst gewann er in Deut sehhuid. München und Berlin, wo er mit Corinth eng befreundet war. In ehrlichem starkem Bingen hat er sich mit der Kunst des Meisters auseinandergesetzt, aber fortschreitend in seiner eigenen malerischen Auffassung seine Individualität behaupte! und gesteigert und mit der ihm eigenen Vitalität, eine künstlerische Höhe ern ichh die ihn uns zu den Wesentlichen zählen läßt und die jüngst auch im kritischen Paris in einer erfolgreichen Ausstellung in der Galerie ..Aux qua Ire chemins" vorbehaltlos anerkannt wurde. Beich in Farbe und Nuancierung und sicher in der Gestaltung ist der Landschafter Micbelson. Köstliche Aquarelle, die um Biga entstanden, in jener hellgrauen durchsichtigen Luft. Ölbilder, die die Schwere und Glut des Südens atmen. Parkbilder Herlins in rauschhaflem Grün und ITafenplätze Südfrankreichs voll farbiger Bewegtheit — alles zeigt ein irisches unkonventionelles Zupacken, eine tiefe malerische Erfahrung und eine von innen strömende Lebendigkeil. ('her vielem bleibt dabei ein Ton jener leisen Schwermut, jenes glücklichen Vermächtnisses des Ostens. Starkes Formgefühl zeigen die Aklzeichn inigen Leo Michelsons. die zugleich voll sprühender Kraft und doch von reifer Beherrschtheit sind. Bei der besonderen. Gabe dieses Künstlers zum Individualisieren, zur Durchdringung der Einzelheiten, ergibt sich von selbst seine besondere Leistung auf dem Gebiet des Porträts. Mit ungewöhnlicher Einfühlungsgabe und sicherem Instinkt gibt er in seinen Porträts das Wesentliche der Menschen, das hinter der Erscheinung Verborgene wieder. Gerade diese Fähigkeit, bei der Vitalität und Lebensnahe seiner Schöpfungen rlas Unsichtbare mitklingen zu lassen, macht Micbelson zu einem Künstler von eigenem Format. Mit Vorliebe hat er russische Köpfe und unter diesen jüdisch-geistige Köpfe gemalt. Das lebensvolle. Bild der Spiwakows. temperamentvoll vorgetragen. von dunklen Tönen überschattet, oder das in hellem Blau und Grau gehaltene Bildnis des ..Jüdischen Herrn'' sind typische Stücker seiner Porträlkunst. Jüdische Motive haben den Künstler weiterhin insofern besonders interessiert, als er jüdische Fabel- und Sagenbücher mit Holzschnitten illustriert hat. Er hal das ßueh ,.Mischte Schindim'* (Fuchsfabeln), »'ine Sammlung von jüdischen Tierfabeln aus dem Fi. Jahrhundert (Erich Bei Ii Verlag, Berlin 1921), mit Holzschnitten versehen, die -■- iiitif. Schwung und feinstem Verständnis geschalten - diese Vorbildungen lebensklugen Witzes lebendig veranschaulichen. Auch das .,Sepher hajaschar", das Hcldenbuch (Sagen. Berichte und Erzählungen aus der israelifiseheti VorzoiU - i\Y>:\ bei Benjamin Harz, Berlin, erschienen illustrierte Micbelson mit biblischen Holzschnitten, die, in mittelalterlichem Stil gehalten, von edler Schönheit sind. Will Phss

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