Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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92 MENORAH rotem Holz werden Sie selbst finden. Sie tragen die Nummer 78. Verstanden, wie?" Und ohne eine Antwort abzuwarten, war er auf seinem flinken Rosse davongeritten. „Wie gefällt dir die Art, in der man uns den Boden zugewiesen hat?" sagte ich zu meiner Frau. ,,Ich weiß weder aus noch ein ..." „Nur keine Angst!" erwiderte sie mir. „Wir werden die Grenzen schon selbst herausfinden, laß uns vorerst unsere Hütte aufrichten und die Kinder füttern. Gehen wir also an die Arbeit!" Der erste Mangel, den wir spürten, war Wasser. Lebensmittel waren genug da, an Wasser aber hatten wir vergessen. Woher Wasser nehmen? Ringsum Feld und Gras, Öde und Leere, Himmel und Erde. Einen Bach aufzusuchen, hatten wir wegen der wilden Tierherden Angst, die zu Tausenden auf der Steppe herumstreiften. Wir hatten in dieser Beziehung bereits Erfahrung. Eine Herde von hundert Stück hatte Jossei Balatnikow auf freiem Felde umzingelt. Sie heulten, brüllten, stampften mit den Beinen und hielten ihn etwa drei Stunden gefangen. Er wäre fast zusammengebrochen, glücklicherweise aber traf ein Reiter ein und befreite den Gefangenen. „Wir haben einen Fehler begangen!" bemerkte meine Frau. ,,WTir hätten einen Eimer mit Wasser mitnehmen sollen!" Die Not ist die beste Lehrmeisterin und sie ließ uns ein Mittel ersinnen. Wir nahmen die Schaufel zur Hand, gruben abwechselnd den weichen Boden bis zu einer Tiefe von anderthalb Metern auf und stießen auf frisches Wasser. Heute muß bereits 10 oder 15 m tief gegraben werden, um eine Wasserader zu entdecken. Wie glücklich waren wir, als wir das gute, süße Wasser fanden. Es war zwar noch etwas lehmig, aber schmackhaft. „Welch ein Glück!" rief meine Frau entzückt aus. „Eigenes Wasser auf eigner Erde, gewonnen durch eigene Kraft!" „Awruhom," sagte sie zu unserem Erstgeborenen, „sprich den Segen und koste das süße Wasser!" Und sie fügte hinzu: „Noch mehr müßten wir uns darüber freuen, daß wir dieses elende Gesindel losgeworden sind!" Wir machten uns über den Zwieback, tranken Wasser dazu und gingen daran, unser Zelt aufzuschlagen. Mein Sohn Awruhom und meine sechsjährige Tochter Riwka halfen fleißig mit, indem sie uns alles Nötige reichten. Indessen war es Abend geworden und wir hatten erst zwei Blechwände aufgerichtet. Nun war Sabbat. Meine Frau sprach den Segen über zwei Kerzen,"