Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-01-01
- Page
- 87 (sequence 1)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! (Erinnerungen eines jüdischen Kolonisten in Argentinien) Von M. Alperson Aus dem Jiddischen ins Deutsche übersetzt von J. S. (5. Fortsetzung) JCVIIL Das erste Pessachfest in J^flaurizio. Pessach, das herrliche Fest der Befreiung! So sehr man sich auch bei den Hochzeiten vergnügte oder sich bloß fröhlich stellte, desto trauriger wurde man, wenn ein Feiertag herannahte. Jeder Feiertag rief Erbitterung hervor. Niedergeschlagen und betrübt feierten wir den großen Tag unserer nationalen Befreiung. Im spärlichen Lichtschein der zur historischen Berühmtheit gelangten Funsel, der „Lampe des Barons", wie wir sie nannten, saß jeder von uns in seinem halbfinsteren Loch vor dem ,,Brot der Armen" und weinte, des strahlenden Sedens gedenkend, den er zu Hause zu feiern pflegte. Eine schwere Atmosphäre lastete auf allen, Sehnsucht nagte im Herzen und ein trauriges, peinliches Vorgefühl prophezeite, daß uns eine neue Knechtung von seilen der Administration bevorstehe. Irgendeiner machte den Vorschlag, daß alle Einwanderer am Pessach gemeinsam im Freien beten sollten. Er wurde einstimmig angenommen. Männer, Frauen und Kinder versammelten sich unter freiem Himmel, feiertäglich gekleidet, will sagen, in Fetzen und Lumpen, manche barfuß, andere in Holzschuhen, und unsere bunte Kleidung schien mit der Sonne, die in hellstem Licht erstrahlte, in der Farbenpracht zu wetteifern. Es wurde still, fast schweigend gebetet, denn jeder suchte, die Tränen zurückzuhalten und die große Trauer zu verbergen, die uns an dieser Frühlingsfeier bedrückte. Aber als der Vorbeter das Hallelgebet zu sprechen begann, schufen sich auch die verhaltenen Tränen ein Ventil. Ein verzweifelter Jammer erhob sich im Raum und rüttelte an den Pforten des Himmels. Von einer einzigen bangen Frage waren alle Gedanken beherrscht: Wie lange noch? Wie lange noch sollten w^ir in den Hütten herumlungern? Wo ist der versprochene Boden? Warum wird er nicht aufgeteilt? Es wurde der Beschluß gefaßt, sofort nach den Feiertagen dieser unbestimmten Lage ein Ende zu bereiten. Her oder hin! Wir wollen Boden. Sonst würden sich alle Männer, wenn auch zu Fuß, ohne Verzug nach Buenos Aires begeben. Am zweiten Pessachtag traf frohe Botschaft im Lager ein, die