Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Isaak Lisié
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 634 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r,34 MENORAH ISAAK L1SIB Viele' Tausonde von Malern leben auf dem Montparnasse. Von Zeit zu Zeil steigl aus der Masse ein unbekannter Name in die Höhen des Ruhmes und der Glanz des Aufstieges fasziniert und blendet die im Schalten Zurückbleibenden . . . Und es ist kein Wunder, wenn eine nervöse Hast die im Hintertreffen Bleibenden ergreift. Bedrängt von materieller Not und demoralisiert durch sensationelle Erfolge ihrer Kollegen, können viele der Versuchung, ihrer natürlichen Entwicklung vorzugreifen, nicht widerstehen: sie belauschen und studieren eifrig jenes Element, welches die Berühmtgewordenen auszeichnete und ihnen in die Höhe verhalf, um dann auf Grund' der Resultate dieses Studiums das eigene Geschick zu korrigieren und so eventuell zu beschleunigen. Die Folge davon ist, daß eine Menge von Bildern auf den Markt geworfen wird, die zwar augenblicklich das Interesse und die Spekulatioiissucht der ,,marchands" fesseln, die jedoch in Wirklichkeil ebenso viele Variationen berühmt gewordener Stile eines Derain, Utrillo, Sutin und dergleichen darstellen. Bilder, die naturgemäß auch im ungeschälten Auge Mißtrauen und Unruhe wecken. Unter solchen Umständen wirkt es angenehm beruhigend, Ausnahmen zu begegnen. Es sind dties wenige, die still und zurückgezogen einen oft heroischen Kampf gegen materielles Mißgeschick und den Widerstand des Materials ausfechten. Einer der letzteren ist Isaak Lisi e, ein Österreicher, der seit einigen Jahren in Paris lebt. Seine einfache, aufrichtige Kunst bietet einen Ruhepunkt im sich überstürzenden Durcheinander des Montparnasse. Lisie ist ein moderner Maler und bewundert moderne französische Meister. Er selbst hat französische Schule. Seine Paysages, Natures morles und Portrails sind alles andere denn naturalistisch zu nennen. Seine Kunslerzeugnisse sind insofern gut, als es ihnen glückt, des Malers eigenes primitives Welterlebnis visuell zu gestallen. Er räumt dem unbewußten Gefühl in Reinkultur die ureingeschränkle Souveränität ein, mit Vermeidung aller Raffinements und literarischen Anfechtungen. Zahlreiche seiner Bilder sind in den Kunstkreisen mit großer Wärme aufgenommen worden, dank ihrer natürlichen Frische und einer beinahe überraschenden Naivität, der jede hastige Virtuosität fremd zu sein scheint. Seine Bilder zeichnen sich insbesondere dadurch aus, daß sie offenkundig am allgemeinen Wellkampfe nicht teilnehmen. Unter den weichen Pinselschlilgen Lisies schwingen fein und lyrisch abgetönte Farben, unbewußte Kompositionen, denen es hie und da glückt, sich zu einem reinen Ton zu steigern, der wie ein frischer Lufthauch anweht. Die Erscheinung des Malers ist durchaus vertrauenerweckend. Trotz seiner relativen Jugend1, ist er ein Veteran im Kampfe mit materieller Not, der schon so mancher entmutigenden Krise unentwegt entgegengesehen hat. Die Solidität seiner bisherigen Bemühungen und Resultate bekundet leidenschaftliche Liebe zur Malerei und Talenl. und berechtigt zur Annahme eines wohlverdienten, ebenso soliden Erfolges. Karl Tsckarny Zweite Ausstellung des Vereins Jüdisches T^Iuseum in Breslau Anläßlich des 75 jährigen Besiehens des Jüdisch-Theologischen Seminars zu Breslau veranstaltete der Verein Jüdisches Museum im Lichthofe des Breslauer Kunstgewerbemuseums eine außerordentlich eindrucksvoll zusammengestellte Schau, die vor allem eine Reihe von Textilien, die im Kultus Verwendung fanden, umfaßt. Zahlreiche Ausstellungsobjekte sind nur durch die Tätigkeil des Vereines dem sicheren Verderben entrissen worden, dem sie in den kleinen, armen zum Teil aufgelösten Gemeinden preisgegeben waren. Die kleine Ausstellung beweist, was verständnisvolle Sammeltätigkeit immer wieder schaffen kann. Dr. W. C.