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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. 619

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Der siebenarmige Leuchter
Date
1929-11-01
Page
619 (sequence 1)
Language
German
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DER SIEBEN ARMIGE LEUCHTER Psalm von Arthur Silbergleit Ein Forscher jahrhundertealter Familiennamen deutete mir einst an. daß meine Urahnen vielleicht Silbergießer oder vielleicht Silberschmiede gewesen sein könnten. .Xun träume, ich mich immer in eine Werkstatt hinein, in der von Geschlecht zu Geschlecht sehnenslarke Männer, ja selbst weißbärtige Greise, Dir, o Ewiger, siebenarmige Silberleuchlcr an Leuchter (Jossen und formten, und in die Glut ihrer Feuer die heilige Lohe ihrer Inbrunst einschmolzen, und ich schaue mit verzückten Augen jene Werkstatt nicht mehr begrenzt, sondern ins Unermeßliche geweitet und verbreitert, schon wand-, gebälk- und firstlos, damit die gemehrte Silberleuchlerfülle Raum zur Entfaltung ihrer zahllosen Silberarme finde, Mensch. Rose und Vogel zärtlich umfange. So wandelt sich mir die Werkstatt: Erde ward Diele, Himmel Dach, Strandfelsen und Bäume Wände. Ich aber ahne, warum meine Urväter von Jahrhundert zu Jahrhundert die silbernen Gebirge der siebenarmigen Leuchter höher und höher übereinandertürmten; versinnbildlichten sie doch in einem jeglichen Leuchter die Allmacht Deiner Ost und West, Nord und Süd, Meer, Erde und Himmel, Feuer und Wasser und die sieben Farben des Regenbogens, Ferne und Nähe mit gleicher Liebe und Zärtlichkeit umfangenden Arme. Und wenn Nacht, die dunkle Wolkenmutter, im grauen Gewände naht, und Du, o Ewiger, Dein Friedensfest feierst, baut sich Dir von der Erde zum Äther in fast unendlicher Stufenfolge eine goldene Lichtertreppe auf; denn jeder sehnsuchtsvoll geöffnete Silberleuchterarm empfängt fortan statt seiner bisherigen wächsernen und rasch vergehenden Gäste Deine stetig wiederkehrenden Sternenkerzen. So wölbt sich Dir die Welt zu einem goldäuyigen, großen Andachtshaus, zu einem Tempel, dessen Mondkuppeln die Spiegel der Meere, auf staunenden Fergen, Fischern und phosphoreszierenden Fischen vertausendfältigen. Ich aber sinne noch immer der hohen Kunst meiner Urahnen nach, die den Überschwang ihrer heiligen Sehnsucht nach Dir und nach Deiner überfülle an Gnade, o Ewiger, in das silberne Blatt- und Rankcnwerk und in die Ornament spiele um ihre Leuchter eingössen. Doch meine Hand hat keine formende Macht über das fließende Edelmetall, sie vermag allenfalls dem Strom der Sprache ein Uferbett zu stanzen. Doch wenn ich im Lichte der ersten silbernen Frühe siebenmal sehnsuchtsvoll meine Arme nach Dir weite, Deine Huld für das Werk meines Tages erflehe, morgendlicher Glanz mich metallisch umblänkert und die Sonne ihren goldenen Strahlenkindern den Weg zu meinen Fingern weist, fühle ich mich selbst als einen lebendigen Silberleuchter, erkoren von Deiner Gnade, Dein Licht aus meinen Händen und meinem Herzen auszugießen und als Dein stets opferbereiter Diener im Wetteifer mit den Mosaiken Deiner Tempelfenster und mit Deinen Sonnen und Planeten Finsternisse zu erhellen. Thoraschrein, Almemor und Vorbeterpult Wie jung unsere Kunstl'orschung ist, beweist die Tatsache, daß die Kunstdenkmäler nicht einmal kulturhistorisch in vollem Maß ausgewertet sind. Was weiß man zum Beispiel über die innere Ausgestaltung der Synagoge in der Antike und im Mittelalter. Wo standen die Thorarollen, und überhaupt standen sie im Schrein oder lagen sie? Wie sah der Stand des Thoravorlesers aus und wo befand er sich und wie war der Stand des Vorbeters beschallen?

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