Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-11-01
- Page
- 602 (sequence 1)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! (Erinnerungen eines jüdischen Kolonisten in Argentinien) Von M. Alperson Aus dem Jiddischen ins Deutsche übersetzt von J. S. (4. Fortsetzung XV. Der Aufstand gegen Gerhh Seine Ursache ist noch bis heute nicht festgestellt. Hatte Gerbl tatsächlich einen Aufruhr von sehen der Eingewanderten befürchtet und, um sein Leben zu schützen, Gauchos und Polizei herbeigeholt? Oder war es bloß ein taktischer Zug, mit der unmittelbaren Absicht, sich der Hetzer zu entledigen? Wie dem auch gewesen sein mag und was er sich dabei gedacht hüben sollte — diese ,.Revolution" hat uns Angst genug gekostet. Es kam plötzlich und unerwartet. Ein heiterer, heißer Tag. alles ilimmerte und glitzerte im Sonnenschein. Etwa fünfzig ..Ledige'' arbeiteten auf den Feldern der Italiener Augustino und Bruno, die die Ernte der von ihnen in Pacht gehaltenen 500 Hektar noch rasch einsammeln mußten, um uns danach den Boden zu übergeben. Diese ,,Ledigen" waren dort als Taglöhner beschäftigt, während sich 75 Unglücksraben, unter dem Kommando von Antreibern, damit abmühten. Wege zu bauen, Lehm und Ziegel zu tragen. Wir. beinahe alle Familienväter und die übrigen Alleinstehenden, die keine Beschäftigung hatten, wir lagen in unseren Zelten und Hüllen versteckt, um uns vor der stechenden Sonne zu schützen. Plötzlich geriet das ganze Lager in Aufruhr. Alle sprangen aus ihren Hütten und sahen zu ihrer Verwunderung, wie vom Süden und Norden her ein Staub bis in den Himmel wirbelte. Die zutiefst erschrockenen Heimallosen glaubten anfangs einen neuen Sturm erwarten zu müssen, bald aber erblickten sie fünfzig Reiter, schwarz, in ausgefransten Kleidern, barfuß, auf halbwilden Pferden, wie ein Wirbel dahersprengend, blanke Messer zwischen den Zähnen, Knuten in der Hand, manche mit verrosteten Gewehren. Säbeln und Piken, die unser Lager überfielen. Mit wildem Geheul und Pfiffen, in der Art der Indianer, stürzten sie sich auf die Hütten. Alte Frauen beichteten, die jungen Männer und Frauen sorgten für den Schutz ihrer Kinder. Ein Kommissar mit zwölf Polizisten erschien aus der Menge der Gauchos und begann in allen Zelten und Hütten eine Hausdurchsuchung vorzunehmen. Alles wurde durchstöbert, das Untersie zu oberst gekehrt, beschnuppert und durchsucht.