Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Chaim Soutin
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 601 (sequence 5)
- Language
- German
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CHAIM SV TIN 601 (Ut ein Maus steht und alltägliche, unansehnliche Bäume wachsen, wird ihm zum Schauplatz dramatischen Lebenskampfes. Voll ausgehöhlter Bahnen, gefurcht von ungesehenen Wirbeln der ..ruhige" Weg. gepeitscht von unbemerkten Stürmen die Bäume und gespenstisch, tot. weil allein von diesem heftigen Schwung niehl mitgerissen, das festgemauerte Maus. Blumen sehen wie zuckende Lebewesen aus. die mit aller Mühe sich gegen die Spannungen in ihrer Umgebung zu erhallen suchen. Menschen sind häßlich, verkrampft, vorzerrt, oft in sich zusammengeduckl. manchmal zur Abwehr gespreizt. Doch man wundert sich nicht. Die merkwürdig geballten, stürmischen Hintergründe erzeugen eine Atmosphäre von kreisenden Wirbeln, in denen jede stabile Form von fragwürdiger Existenz scheint. Von Gefahren umstellt, spürt man diese Geschöpfe. Ihre Mißbildung is» nur zu verständlich. Unbegreiflich, daß sie standhalten können. "Nicht abzusehen, wie lange, wie kurz noch. Doch am ergreifendsten die toten Tiere, die er malt. Trauerhymnen Mint diese Bilder für gefallene Helden, die bis zum letzten gerungen haben und endlich, erschöpft, der Übermacht weichen mußten. Die Glut der Farben spricht vom harten Kampf und ehrt den Tod seiner Opfer. Das Wellgefühl eines geheizten Gheltomenschen. Gewiß. Doch durch die Wucht des Talentes, das diese Angsllräumc formt, über sich hinausgewachsen und zu einem erschütternden Wollbild gestallet, das unter ruhe voller Oberllächo den ewig brodelnden Abgrund zeigt, unter glatter Haut die Anstrengung des Lebens und den schleichenden Tod sieht, und um uns herum das wogende All spürt, das uns. armselige Nußschale auf unendlichem Ozean, zu verschlingen droht. Der ..Tote Stier", wo auf blauschwarzem Färbst rennen, die wie Meereswellen den Eindruck flüssigen Metalls machon und ebenso wie diese, bösen weißen Schaum auf ragenden Kämmen tragen, in rätselhaftem Gleichgewicht, über offenem Schlund ein Körper schwebt, ein Gewirr von rolgoLdenen Fasern und Fäden, ist nicht nur Sulins Höchstleistung, sondern eines der markanten Kunstwerke unserer Zeit. Denn der panische Schrei, den dieser Barbar, aus einer primitiveren Welt kommend, laut und gellend über unserer komplizierteren und geordneten erschallen läßt, reißt Wunden auf und hallt im Herzen jener wider, denen durch den Panzer unserer feingewebten Kultur hindurch das großartige und grausame Walten der nackten Wirkliehkeil fühlbar geblieben oder es wieder geworden ist. Daß es nicht wenige sind, beweist das Anschwellen des Expressionismus in Frankreich, zu dessen Trägern und wohl auch Bahnbrechern Sutin zählt. Aure he Go t tlie h JV[e?n hunter Persertejbfti'ch träumt Es ist, als ob ich traurifj war — Wird mir der Abend schwer:' Ist mir der Tay so urau venjaiujen? O (jroßes Bannen. Wie wird es monjen sein-? l'nd alle diese vielen Monjen. Wie finden sie mich so allein. Mein bunter Perserteppich träumt L'nd meine Ampel schweift. Das Gold, das meine Wände säumt. Steht schwer yencitjt im Schatten. Und meine Fenster schluchzen tief. Ist's weil der Wind nach ihnen rief-? Beweinen sie die Leere meines Zimmers:' Cnd plötzlich wird mir dieses Buch Voll blühender Gedichte Wie lästiges Parfüm. Ich flüchte in die Blumenecke. Verstecke mein Antlitz tief Im kühlen Blätter(/runde l'nd weine eine schwere Stunde. Gusti Ew? n g er